Alle meine bisherigen Beziehungen waren irgendwann vorbei. Ihre übrigens auch! Denn es liegt in der Natur der Beziehungs-Sache, dass Sie in Ihrem Leben höchstens eine Beziehung führen können, die nicht in die Brüche geht (ausgenommen Sie sind Polyamoristin oder Polyamorist oder verwitwet).

Entweder also Sie stecken gerade in ebendieser einen erfolgreichen Beziehung, die Ihr Leben lang nie enden wird – oder die Partnerin oder der Partner, mit der oder dem Sie bis ans Ende Ihrer Tage zusammenbleiben werden, kommt vielleicht noch.

Bis ans Ende der Tage, naja, das ist schon ziemlich lange

Was Schlussmachen bedeutet, erlebte ich erstmals als Teenager. «Ich habe keine Schmetterlinge mehr im Bauch, ich will nicht mehr mit dir zusammen sein und ich werde nicht mit dir nach Paris fahren über Silvester», sagte er. Am Telefon. Ich hatte es kommen sehen. Und dennoch fühlte ich mich, als würde ich von einem Monstertruck mit seinen Monsterpneus überfahren. Lange schmerzte mich die Trennung allerdings nicht – ein paar Wochen später knutschte ich in der dunklen Ecke einer Provinzdisco mit einem schwedischen Junioren-Hockeyspieler, mit Wodka-Redbull-Geschmack im Mund und Snoop Dogg im Ohr. Das Leben könnte schlimmer sein, dachte ich damals.

Zu Beginn einer Beziehung sorgen Schmetterlinge im Bauch (oder technisch gesagt die psychophysischen Vorgänge im Körper, auch bekannt als Verliebtheit) dafür, dass man kaum die Finger vom anderen lassen kann. Im Rausch der Teenie-Hormone schworen mein Freund und ich uns damals, irgendwann einen Haufen Babys zu machen, mit 35 in den Ruhestand zu gehen ein superglückliches Leben bis ans Ende unserer superspannenden Tage zu führen (man wird ja wohl noch träumen dürfen).

Nach ein paar Monaten dann kamen die ersten Streite, mich nervte, wie laut er seinen Apfel ass. Vieles war anstrengend. Also lieber doch keine Babys. Und bis ans Ende unserer Tage, na ja, das ist schon ziemlich lange. Wie die Beziehung ausging, wissen Sie.

Kommt Ihnen bekannt vor? Dann sind auch Sie schon einmal auf den Schmetterlings-Bschiss hereingefallen.

Sonderformen des französischen Subjonctif: lernt man in der Schule. Wie man auch nach Jahren noch Gefallen daran findet, wie der andere seinen Apfel isst: null Ahnung. Klar, Liebe ist keine exakte Wissenschaft, und ich vertrat lange die Meinung, dass es einfach passt, wenns passt, und, wenn es nicht passt, die gescheiterte Beziehung (mit all ihren schönen Seiten) meiner Liebesleben-Statistik ein paar weitere Daten liefert.

Mit Beziehungen handhabte ich es also wie viele andere, denn Umfragen zeigen, dass sich Paare oft aus ähnlichen Gründen trennen: Fremdgehen, fehlende Konfliktfähigkeit, zu wenig Sex. Ich kenne das aus meiner eigenen Beziehungs-Historie: Es gab nie den grossen Knall, sondern das Aus kam immer schleichend. Weil irgendwann die Schmetterlinge weg waren – und Akzeptanz und Freundschaft fehlten, die diese hätten ersetzen müssen.

Ein paar Beziehungen und unzählige Gespräche mit Freundinnen (mit vielen Jahren Beziehungserfahrung) später weiss ich: Schmetterlinge lassen einen am Anfang einer neuen Bekanntschaft lediglich über die vielen (vermeintlichen) Fehler des anderen hinwegsehen. Fehler, die immer schon da waren und immer bleiben werden. Lautes Apfelessen zum Beispiel.

Warum ich über dieses Thema schreibe? Weil die Schmetterlinge gerade besonders in meinem Bauch herumflattern. Ihre Strategie aber kenne ich jetzt. Und ich lasse mich nicht mehr bescheissen.