Crans-Montana, Tourismusort mit klangvollem Namen, gilt längst als eine Art Geisterstadt. Die 40 000 Gästebetten bleiben oft kalt, Geld für Investitionen fehlt. Weil sie die Sanierung der Skilifte und des Skigebiets nicht selbst zustande brachten, liessen die anliegenden Gemeinden 2014 einen schillernden Oligarchen ins Haus. Der Tscheche stieg mit 40 Millionen bei den Bergbahnen Crans-Montana Aminona (CMA) ein.

Womöglich nahmen die Unterwalliser an, einen Wohltäter gefunden zu haben. Letzte Woche stellte dieser die Skilifte ab, weil Crans-Montana angeblich 800 000 Franken nicht wie abgemacht einwarf. Hundertschaften von Gästen waren die Geprellten, weil sich der Oligarch und seine Schildbürger mittlerweile in den Haaren liegen.

Der Tscheche hat sein Ziel erreicht, der Walliser Wirtschaftsminister Christophe Darbellay (CVP) trat flugs als Schlichter auf. Nun laufen die Lifte wieder, zu welchem Preis und wie lange, ist nicht bekannt. Bekannt ist: Der Ruf von Crans-Montana hat nochmals gelitten. Wie jener der Olympia-Kandidatur «Sion 2026», die Crans-Montana als Austragungsort der Skiwettkämpfe wundersamen Aufschwung bringen sollte.

Nicht nur der Stadtberner Polizeidirektor Reto Nause (CVP) fragt sich, was eigentlich in der Schweiz sonst noch so alles an solche ausländische «Investoren» verscherbelt wurde. Nause war selbst Opfer des Stillstands von Crans und entsprechend aufgebracht. Auf die Frage, ob er den Oligarchen nicht hätte in Haft nehmen können, sagt der Berner Polizeichef: «Crans-Montana ist leider nicht mein Hoheitsgebiet.» Und ohnehin: «Ich bin nicht ganz sicher, ob ich den Oligarchen oder die Gemeindeverantwortlichen hätte verhaften müssen.»

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