Kommentar

Der Namenswechsel ist alternativlos – und zugleich riskant

Da war es noch eine Idee: CVP-Präsident Gerhard Pfister erklärt an der Delegiertenversammlung vom 5. September das Projekt der Namensänderung. Nun ist es beschlossene Sache.

Da war es noch eine Idee: CVP-Präsident Gerhard Pfister erklärt an der Delegiertenversammlung vom 5. September das Projekt der Namensänderung. Nun ist es beschlossene Sache.

Die Basis hat es in einer Urabstimmung entschieden: Der Name CVP verschwindet - und wird ersetzt durch «Die Mitte». Das ist der radikalste Einschnitt in der Parteigeschichte.

Die CVP hat sich mit den Wahlen 2019 stabilisiert. Und nicht nur das. Sie befindet sich im Aufbruch. 50 Jahre, nachdem sie den Namen CVP eingeführt hat, verabschiedet sie sich wieder von ihm. Es ist der radikalste Einschnitt in ihrer Parteigeschichte. Weder die Begriffe «konservativ» und «katholisch» (vorwiegend im 19. Jahrhundert) noch «christlich» (20. Jahrhundert) kommen im neuen Namen vor. Schlicht «Die Mitte» soll die Partei künftig heissen. Sie emanzipiert sich von der Religion – eine radikale, eine historische Zäsur.

Es ist ein Schritt ohne Alternative. Das C hindert die CVP am Wachstum. «Das C ist ein Erinnerungsstück geworden, das den Stammwählern zur Selbstvergewisserung dient», sagte Historiker Urs Altermatt in der NZZ. Mit dem C wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die CVP ihren Bundesratssitz verliert und in die Bedeutungslosigkeit versinkt.

Die Umbenennung der nationalen Partei in «Die Mitte» ist zwar ein Risiko. Die Kantonalparteien können das C aber behalten. Die Abwanderung konservativer Wähler dürfte überschaubar bleiben. Der neue Name – und die Fusion mit der (reformierten) BDP – ermöglichen der CVP endlich den Schritt über den Konfessionsgraben in die grossen Kantone. Hier gibt es Potenzial bei ländlichen, SVP-nahen Wählern. Das Momentum ist günstig. Die GLP zieht es aus der Mitte nach links – und die FDP, sowieso Mitte-rechts, schwächelt. Das öffnet Raum für «Die Mitte».

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Autor

Othmar von Matt

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