Kommentar

Der Mut der Musliminnen

Musliminnen in Frankreich (Archiv)

In Paris betet erstmals eine Imamin vor Musliminnen. Die Widerstände sind gross. Am Fall zeigen sich Parallelen zur Schweiz. Der Kommentar.

In Frankreich lud die erste Imamin zum «Samstagsgebet». Offenbar fand sie keine Moschee, in der sie das traditionelle Freitagsgebet hätte abhalten können. Die Männer an der Spitze der Moscheen wollten ihr dafür nicht die Bühne überlassen. Das spricht Bände.

Der Ort ihres Gebets vor den Gläubigen in Paris musste zudem geheim bleiben. Aus Sicherheitsgründen, wegen Drohungen, aus Angst davor, den Organisatorinnen und Besuchern könnte etwas zustossen. Auch das spricht Bände.

Beides läuft anderswo nicht besser. In der Schweiz gibt es eine Gruppe muslimischer Frauen, die Gebetsräume für ihre Predigten suchen. Sie finden sie nicht in Moscheen, sondern in – und das ist vielleicht typisch: ökumenischen Kirchen.

Auch das Abschirmen aus Angst vor Anschlägen auf mutige Menschen wie die Pariser Imamin ist bestens bekannt. In Berlin hat die aufmüpfige Menschenrechtsaktivistin, Anwältin und Imamin Seyran Ateş vor zwei Jahren erstmals als Vorbeterin gewirkt. Auch Musliminnen aus der Schweiz sind dorthin gereist. Seyran Ateş benötigte danach rundum Polizeischutz, ihr Bewegungsradius war arg eingeschränkt.

Solche Dinge und negative Reaktionen mancher islamischen Organisationen sagen wenig Gutes aus über die Zustände in den Moscheen. Den Mut der Predigerinnen kann man gar nicht genug würdigen. Immerhin steht er aber für das: Es gibt Bewegung unter den Musliminnen und Muslimen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1