Die «Republik» werde von einer Welle des medialen Überdrusses in die Höhe getragen. So wie der «Tageswoche» einst Abonnenten zuflogen, die sich im Pathos der Empörung von der «Basler Zeitung» abwandten.

Als Ausnahme, so die Wissenschafter, könne die «Republik» Bestand haben. Als Lösung, um den Journalismus zu retten, tauge das Modell aber nicht. Denn ihre Forschung zeige: Das Problem liegt weniger beim Angebot als vielmehr bei der Nachfrage. Anders gesagt: Es wird nicht zu wenig Qualitätsjournalismus geboten, doch das Publikum interessiert sich nur beschränkt für «relevante Informationen».

In klugen Analysen erklären die Wissenschafter, dass Medienkonsumenten nie wirklich die Stoffe gesucht haben, die für das Funktionieren der Demokratie als wichtig erachtet werden. Doch gebündelt mit Sport, dem Wetterbericht und den Todesanzeigen wurden sie in den Zeitungen gelesen. Politische Berichterstattung, programmiert zu quotenträchtigen Radio- und Fernsehzeiten, gehörte zum medialen Zwangskonsum.

Was einst «gebündelt» war, ist im Zeitalter mobiler Medienutzung «entbündelt». Medial vermittelter staatsbürgerlicher Unterricht lässt sich leicht umgehen. «News-Deprivierte» nennen die Experten die Spezies der ignoranten Mediennutzer und zählen bereits dreissig Prozent der Bevölkerung dazu.

Die Forscher wissen viel. Doch sie haben keine Ahnung, was dagegen unternommen werden kann.

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