Man reibt sich die Augen: Die grösste Partei des Kantons hat endlich die Chance, einen zweiten Regierungsratssitz zu ergattern, und was macht sie? Sie übt sich in mehr und weniger offenen Attacken gegen ihren bisherigen Regierungsrat, Bildungsminister Alex Hürzeler.

Der Aufruf der SVP Muri zur Abwahl von Hürzeler ist zwar kaum mehrheitsfähig. Aber allein dass sich ein Vertrauter von Fraktionschef Jean-Pierre Gallati überhaupt traut, Hürzeler so ungeniert anzugreifen, zeigt, dass es schon länger gärt zwischen der Partei und ihrem Regierungsrat. Den Hardlinern in der SVP ist Hürzelers Bildungspolitik zuwenig rechts, sein Führungsstil zu lasch.

Neu ist der unzimperliche Umgang der SVP mit eigenen Regierungsleuten nicht. Paradebeispiel dafür ist Samuel Schmid, der vom Blocher-Flügel spöttisch als «halber SVP-Bundesrat» bezeichnet und auch so behandelt wurde.

Bleibt die Frage, warum der schwelende Zwist ausgerechnet kurz vor den Wahlen durchbricht. Wollen einige Parteistrategen so Regierungsratskandidatin Franziska Roth stärken, die sich stramm auf Parteilinie positioniert und zu Hürzelers Schulpolitik einen rechten Gegenakzent setzt?

Oder ist es einigen in der SVP einfach lieber, weiterhin nur einen (oder einen halben?) Vertreter in der Regierung zu haben, um so ungehemmter ihren Konfrontationskurs zu fahren? Zuviel hineininterpretieren wollen wir nicht. Vielleicht ist das Hick-Hack auch nur das Resultat unkoordinierter Einzelaktionen.

So oder so: Was sonst die Stärke der SVP ist, nämlich inhaltlich einen klaren Kurs zu fahren, ist im Regierungsratswahlkampf bisher nicht erkennbar.

AZ Vimentis Wahlhilfe 2016