Fassadenbild Muri

Der Gemeinderat baut eine goldene Brücke

Willi Staubli vor dem Haus mit dem Fassadenbild von Barbara Enzler im Hasli in Muri. Das Kunstwerk gilt als «störendes Element im Erscheinungsbild des Weilers». Eddy Schambron

Willi Staubli vor dem Haus mit dem Fassadenbild von Barbara Enzler im Hasli in Muri. Das Kunstwerk gilt als «störendes Element im Erscheinungsbild des Weilers». Eddy Schambron

Eine junge Künstlerin malt ein grosses Fassadenbild an das Haus ihres Vaters. Der Gemeinderat toleriert die Malerei, da das Haus zum Abbruch bestimmt war. Ein Nachbar kauft das Haus mitsamt dem Bild und wird es stehen lassen. Die Gemeinde Muri schickt ihm einen Brief mit der Aufforderung, das Werk zu entfernen, da dafür weder ein Gesuch noch eine Bewilligung vorliegt. Diese Zeitung und Tele M1 berichten darüber. Was dann abgeht, ist nicht alltäglich: Der Gemeinderat wird mit Mails «aus der ganzen Welt», wie sich Gemeindepräsident Hanspeter Budmiger ausdrückt, zugedeckt, die Abteilung Raumplanung, die nichts mit dem Brief zu tun hatte, ebenso. Online wird der Artikel 39 315-mal (Stand gestern) geklickt, auf Facebook x-mal geteilt und tausendfach gelikt.

Der Gemeinderat steckt in der Zwickmühle. Einerseits muss er nach dem Grundsatz handeln, dass jeder vor dem Gesetz gleich ist. Das bedeutet, dass eine Fassadenmalerei einer Bewilligung bedarf, zumal das Gebäude in einem Weiler steht, der im Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz eingetragen ist. Andererseits versteht so gut wie niemand, dass dieses Seifenblasen pustende Mädchen an der Fassade das Ortsbild in irgendeiner Art beeinträchtigen soll. Da gibt es im Weiler anderes, das für die meisten störender ist.

Mit dem Kontakt zum Grundeigentümer, mit dem Vorschlag, ein nachträgliches Gesuch für das Fassadenbild einzureichen, handelt der Gemeinderat jetzt pragmatisch und baut eine goldene Brücke. Das wäre schon früher möglich und wohl auch sinnvoll gewesen.

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Eddy Schambron

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