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Der gefährdete Brotaufstrich

Der Brotaufstrich «Le Parfait» ist akut gefährdet. Der Lebensmittelkonzern Nestlé, dem die Marke gehört, möchte sie loswerden. In den letzten Jahren wurden in Basel jährlich jeweils etwa 700 Tonnen «Le Parfait» hergestellt, Tendenz abnehmend. Die Wahrscheinlichkeit, dass «Le Parfait» nach 70 Jahren Präsenz aus dem Schweizer Speiseplan verschwinden wird, ist also ziemlich gross.

Die Zusammensetzung des Brotaufstrichs ist ja an sich schon ziemlich abenteuerlich: «Le Parfait» besteht zu 45 Prozent aus Hefe. Dazu kommen Pilze (Herbsttrompeten), Schweineleber, Pflanzenfett und Gewürzextrakte. Gut, habe ich das damals nicht gewusst, als ich als Kind am liebsten täglich mein Parfait-Brötchen verschlungen habe. Denn eigentlich mochte ich Leber ja überhaupt nicht und von Pilzen wurde mir schlecht.

Erfunden wurde die Rezeptur 1949 von den beiden Freiburger Chemikern Claude Blancpain und Erwin Haag. Der Name soll von Blancpains Frau stammen, die an Silvester 1949 erstmals den Aufstrich probierte und begeistert gesagt haben soll: «C’est parfait!».

Der neue Brotaufstrich war rasch in der ganzen Schweiz ungemein populär. «Le Parfait» war die willkommene und preisgünstige Alternative zu Konfitüre oder Käse, wirkte identitätsstiftend und erreichte in den 60er- und 70er-Jahren einen ähnlichen Status wie Ovomaltine oder Aromat. Keine Schulreise, kein Pfadilager, aber auch kein Apéro waren denkbar ohne die Paste aus der roten Tube.

Vielleicht sollten wir nochmals eine paar Tuben «Le Parfait» posten und die Erinnerungen geniessen, die sich unweigerlich beim Essen einstellen werden.

joerg.meier@chmedia.ch

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Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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