Schawinski-Talk

Der falsche alte weisse Mann in der Hauptrolle

Patrik Müller
SRF-Talker Roger Schawinski sieht sich harscher Kritik ausgesetzt. Problematisch war aber das Verhalten eines anderen Mannes. (Archiv)

SRF-Talker Roger Schawinski sieht sich harscher Kritik ausgesetzt. Problematisch war aber das Verhalten eines anderen Mannes. (Archiv)

Linksliberal, urban, SVP-kritisch, gegen Trump, gegen Rassisten, Antisemiten und Sexisten – das ist das politische Profil von Roger Schawinski. Dass er, inzwischen 73, im Spätherbst seiner Karriere plötzlich als Frauenfeind dasteht, hätte er sich wohl nie träumen lassen. Doch diesen Vorwurf muss er sich nach seinem Talk mit der deutschen Philosophin und Edelprostituierten Salomé Balthus auf Social Media und News-Medien anhören: Er habe die Zeichen der MeToo-Ära verkannt.

Man muss Schawinskis Interviewstil nicht mögen. Aber dass er Frauen besonders hart angehe, ist abwegig. Das wissen alle, die regelmässig «Schawinski» schauen. Journalistisch knallhart und bisweilen polemisch: So ist er zu Gästen beiderlei Geschlechts. War er schon immer. Genau deswegen gab ihm das SRF diese Sendung.

Und doch haben die Kritiker recht. Es ist ein alter weisser Mann, der sich gegenüber einer Frau unangemessen verhalten hat. Nur heisst dieser Mann nicht Roger Schawinski. Sondern Ulf Poschardt. Er ist Chefredakteur der «Welt», die Balthus als Kolumnistin beschäftigte. Poschardt kündigte ihr flugs per Mail, weil sie in einem Text eine Aussage Schawinskis erfunden hatte und der sich beschwerte. Erst die schnoddrige Absetzung machte Schawinskis Talk zum Skandal. Mit dem falschen alten weissen Mann in der Hauptrolle.

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