«Kurs» nennt sich diese Veranstaltung offiziell. Hier bin ich also. Ich will mein Stimmrecht, also muss ich diesen Einbürgerungstest machen. Unser «Lehrer» begrüsst uns in bestem Schweizer Lehrerdeutsch, er spricht gaanz – dööit – liich – uund – laang – saam. Hey, denke ich, das bin ich nicht. Ich will etwas sagen, überlege fieberhaft, was. Ich bin keine Messerstecherin, bin keine Massenvergewaltigerin. Ich gelte als Einwanderin zweiter Generation. Aber wenn ich von irgendwo eingewandert bin, dann direkt aus dem Himmel. Ich bin hier aufgewachsen. Ich bin hier geboren. Ich spreche akzentfrei Dialekt. Das will ich zeigen.

Still schaue ich die Prüfungsfragen an. Der längste Fluss des Kantons …, die grösste Stadt der Schweiz … Ha! Und da ist tatsächlich eine zu meiner Sparte! Johanna Spyri hat … — «Heidi» geschrieben. Ist doch klar! 

Ich bin fertig, stehe auf, sage «Adieu, merci».

Zu Hause wartet eine Nachtschicht auf mich. Ich muss ein Interview vorbereiten. Mit Martin Suter – Suter, Sie wissen doch – der erfolgreichste Schriftsteller der Schweiz heute.