In unserer beliebten Serie über weitverbreitete absurde Alltagshandlungen befassen wir uns heute mit dem Austrocknen der Dusche nach dem Duschen. Dazu wird in der Regel ein T-förmiges Instrument mit Plastiklippe verwendet, in der Fachsprache auch als «Duschabzieher» bekannt. Den Duschabzieher gibt es in verschiedenen Ausführungen; die günstigsten kosten im Grossverteiler 3 Franken 50, die akkubetriebene Luxusversion mit Wasserabsauger und ergonomischem Griff ist im Fachhandel für 129 Franken zu haben.

Wenn ich direkt fragen darf: Kommen Sie sich nicht auch ziemlich doof vor, wenn Sie pflotschnass und nackt dazu unter allerlei Verrenkungen mit dem Duschabzieher Wassertropfen von Plättli und Glas abstreifen? Haben Sie sich auch schon vorgestellt, wie das aussieht? Trocknen Sie gar noch die Armaturen mit einem speziellen Tuch? Trocknen Sie länger als Sie duschen?

In meinem Bekanntenkreis gibt es fast nur praktizierende Duschentrockner, wie ich festgestellt habe. Sie sind sich einig, warum das unverzügliche Austrocknen der Dusche nach dem Duschen unverzichtbar ist: Der Kalk ist schuld. Der ist heimtückisch, hockt in den Wassertropfen und befleckt die ganze Dusche, wenn er nicht sofort entfernt wird. Denn eine Dusche mit Kalkflecken ist noch schlimmer als ein ungeputztes Fenster im Sonnenschein. Das leuchtet natürlich ein, auch, dass der aggressive Kalk im Laufe der Zeit die ganze Dusche zerstören wird. Besonders in unserer Region, wo uns nicht einmal die Entkalkungsanlage zu schützen vermag.

Die Geschichte des Austrocknens der Dusche nach dem Duschen wurde bisher nicht erforscht. Auch die psychologische Bedeutung dieses Tuns ist unbekannt. Vielleicht wollen wir das ja gar nicht wissen.