Die Zahlen sprechen für sich: In den wenigen Jahren von 2011 bis 2015 sind im Kanton Aargau die Gefängnisbelegungstage um 30 Prozent hochgeschnellt. Diese Zahlen sind nicht zuletzt eine Folge des Rufes nach längeren Strafen, nach Verwahrung für besonders schlimme (Wiederholungs-)Täter. Dies ergibt sich aus dem steigenden Bedürfnis, den Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Tätern zu verstärken.

Das zeigt sich ganz aktuell am Beispiel von Kris V., der als Jugendlicher 2009 eine junge Frau ermordet hat. Noch vor 25 Jahren hätte man einen solchen Täter nach Verbüssung der Jugendstrafe wahrscheinlich freigelassen. Doch 1993 setzte ein langsames Umdenken ein. Ausgelöst wurde dieses durch den Mord eines Straftäters auf Hafturlaub an einer Zürcher Pfadiführerin.

Das Umdenken nach solchen und weiteren Verbrechen wie dem Mord an Lucie im Aargau gipfelte in der Annahme der Verwahrungsinitiative durch das Volk. Heute sind die Behörden entsprechend vorsichtiger. So kämpfte der Aargau – wie gestern bekannt wurde – erfolgreich bis vor Bundesgericht dafür, dass Kris V. fürsorgerisch untergebracht wird, weil von ihm immer noch ein Risiko ausgeht.

Solche und weitere Massnahmen haben allerdings ihren Preis, den wir zu zahlen bereit sein müssen. Das ist die Kehrseite der Medaille. Da der Bund mit immer mehr Vorgaben für den Strafvollzug seinen Teil zu den höheren Kosten beisteuert, ist seine Solidarität jetzt auch beim Tragen der Kosten gefragt. Denn es geht nicht an, dass Kantone mit grossen Strafanstalten wie der Aargau die finanzielle Hauptlast tragen müssen.