20 Gehminuten von der «Blick»-Redaktion liegt das Geburtshaus von Johann Caspar Lavater (1741-1801). Der Zürcher Pfarrer hat die Physiognomik mitbegründet. Gemäss dieser Analyse des Gesichts lässt sich zum Beispiel von der Ausprägung der Ohrläppchen auf die Charakterzüge einer Person schliessen. Unter den Nazis war die Theorie besonders populär. Sie arbeiteten daran, Juden bereits an der Kopfform zu erkennen.

Gestern erlebte die Physiognomik im «Blick» ein unerwartetes Revival. Ein Experte decodierte in der Zeitung das Gesicht von Thomas N., der Bestie von Rupperswil: Sein «ausgeprägtes Innenohr» zeige, dass er sich von «nichts und niemandem verbiegen lässt», das Aussenohr im oberen Drittel lasse auf eine ausgeprägte Sexualität schliessen und seine glatte Haut deute auf einen Menschen hin, der «allenfalls stärker verletzt und missbraucht worden» war.

Liebe Blick-Redaktion, wir versuchen uns in einer unumstritteneren Analyse, der Textdeutung: Wer solchen Mist schreibt oder schreiben lässt, ist entweder dumm, ausgeprägter Zyniker oder beides.