Sprachriff

Der Berg mit den zwei Geschlechtern

Janine Gloor
Aussicht von der Rigi Kulm

Aussicht von der Rigi Kulm

Wer dem Hochnebel entfliehen will, steigt in die Höhe. Zum Beispiel auf die Rigi. Oder auf den Rigi? Wieso hat dieser Berg zwei Geschlechter? Aus Innerschweizer Perspektive gibt es nur eines. Die Rigi. Die Königin der Berge.

Fast könnte man meinen, das Geschlecht komme von diesem Ausdruck. Der lateinische Name verhärtet diese These sogar noch: Regina Montium. Schon früh wurde dem Berg dieses lateinische Erbe aufgedrückt: 1479 schrieb der Einsiedler Dekan und Humanist Albrecht von Bonstetten vom «mons Regina» und übersetzte flott auf Deutsch «Das ist der Berg Rigena, den die alten ein künigin der bergen geheyssen habent.» Eine schöne Herleitung für den Namen Rigi, aber auch eine falsche.

Rigi ist nicht lateinischen Ursprungs, sondern das schweizerdeutsche Wort bezeichnet eine Felsstruktur. «Rigi» steht für horizontal laufende Gesteinsschichten, «ein Band im Gebirge», steht im Idiotikon. Das Wort Rigi ist ein Femininum, so auch das Geschlecht des Bergs: die Rigi. Das Idiotikon führt das männliche Geschlecht auf den Ausdruck «der Rigiberg» zurück.

Zum Schluss führt das Idiotikon ein schönes Sprichwort an, das hier nicht vorenthalten werden soll: «Wenn der Rigi häd en wiisse Huet, sind die Truben am Zürisee guet; wenn der Rigi häd en schwarze Huet, sind die Chriesi am Zürisee guet.»

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