Bleibt Grossbritannien Mitglied der Europäischen Union? Einen wichtigen Teil der Antwort auf diese Frage müssen die 28 Staats- und Regierungschefs der EU-Länder diese Woche an ihrem Gipfeltreffen geben. Sie werden eine harte Debatte darüber führen, welche Extrawürste Grossbritannien erhält, um es in der Union zu halten. Den anderen Teil der Antwort werden die britischen Stimmbürger voraussichtlich Ende Juni in die Urnen legen.

Die britischen EU-Skeptiker kritisieren schon jetzt, ihr Premierminister David Cameron werde in Brüssel keine wesentlichen Zugeständnisse erreichen: Dafür habe er seine Forderungen viel zu tief angesetzt. Das stimmt nicht, wenn die Länge und Komplexität der Verhandlungen über Camerons Anliegen der Massstab ist. Es stimmt aber insofern, als Cameron wenig von dem erhalten wird, was er noch vor zwei Jahren verlangte. Auf eine Begrenzung der Zuwanderung etwa musste er verzichten – jetzt ist nur noch von einer vorübergehenden Beschränkung der Sozialleistungen für EU-Ausländer die Rede. 

Es ist kein Zeichen schlechten Willens der EU, dass die Briten nicht mehr herausholen konnten. Es ist vielmehr ein Zeichen dafür, wie weit die europäische Integration vorangeschritten ist. In der EU mit ihren 28 Mitgliedern kann der Einzelne nicht mehr tun und lassen, wie ihm beliebt. Im Gegenzug für diesen Souveränitätsverlust erhalten die Mitglieder Zugang zu einem freien europäischen Markt und den Schutz eines friedlichen Europas. Die Briten werden die schwierige Entscheidung fällen müssen, was ihnen wichtiger ist. Klar ist, dass der Alleingang seinen Preis hat. Dieses Dilemma kennt niemand besser als – die Schweiz.