Vor kurzem wäre es abwegig gewesen, diese beiden Ereignisse in eine Reihe zu stellen; die Gewerkschaften verloren Mitglieder und politischen Einfluss. Doch das hat sich mit dem Streit um das EU-Rahmenabkommen schlagartig geändert. Maillard wird gewissermassen zum achten Bundesrat – eine Ehre, die einst dem Präsidenten des Vororts (heute Economiesuisse) zukam. Denn seit Paul Rechsteiner, der amtierende Ober-Gewerkschafter, den Lohnschutz zur Frage über Sein oder Nichtsein erhoben hat, sitzt der Bundesrat wie das Kaninchen vor der Gewerkschafts-Schlange. Der SGB diktiert die «roten Linien» bei den Verhandlungen mit der EU: Kein Jota dürfe die Schweiz bei den flankierenden Massnahmen nachgeben, sonst werde man das Rahmenabkommen versenken.

In unserem Interview lässt Maillard keinen Zweifel daran, dass er dieses Powerplay weiterführt. Das ist legitim – aber auch populistisch, denn das Wohl der Arbeitnehmer hängt nicht von 4 oder 8 Tagen Voranmeldefrist für entsandte EU-Arbeiter ab. Sondern davon, wie gut unsere Wirtschaft läuft. Dafür gibt es wesentlich wichtigere Faktoren als angebliche Lohnschutz-Regeln, etwa Marktzugang und Exportfähigkeit.

Eine Gewerkschaft darf dieses Gesamtbild zur Selbstprofilierung ignorieren, der Bundesrat aber sollte es sehen und danach handeln. Ob das der Fall ist, wird man am Freitag wissen, wenn er über den Rahmenvertrag entscheidet.