Kommentar

Der Aargau schiesst sich selbst ins Bein

Ein FDP-Vorstoss im Aargau will zwecks Sparen den Kulturlastenausgleich mit Zürich und Luzern kündigen.

Die FDP-Fraktion des Grossen Rates macht derzeit in Zürich und Luzern Furore mit einem Vorstoss. Sie will den Kulturlastenausgleich von netto 5,9 Millionen Franken, der jährlich an Zürich und Luzern geht, kündigen. Das Geld ist für Institutionen wie Opern- und Schauspielhaus Zürich oder das KKL Luzern. Diese Institutionen werden auch von vielen Aargauerinnen und Aargauern besucht. Bei einer Kündigung bleibe mehr Geld für eigene kulturelle Leuchttürme, argumentiert die FDP mit Blick auf das jüngste Aargauer Sparpaket.

Nun, wer würde eigenen kulturellen Leuchttürmen nicht mehr Mittel gönnen? Und man kann gewiss berechnen, ob der Aargau zu viel nach Zürich bezahlt. Doch darf er dieses Abkommen nicht kündigen. Wie sollten künftig auch aargauische Zentren argumentieren, wenn sie von Nachbargemeinden etwa für eine Bibliothek einen Beitrag wollen? Wie soll im Kleinen etwas Sinnvolles weiter funktionieren, wenn es im Grossen «abgeschossen» wird?

Der Aargau würde sich mit einer Kündigung sowieso ins eigene Bein schiessen. Er erhält nämlich 2017 aus dem nationalen Finanzausgleich eine Viertelmilliarde. Zürich zahlt 444 Millionen ein. Dieses, Schwyz und andere reiche Kantone wehren sich längst gegen ihre hohen Zahlungen. Schwyz wollte den Aargau jüngst gar aus dem Finanzausgleich werfen. Dieser wehrte sich geschickt und bisher erfolgreich. Die freundeidgenössische Solidarität hält noch. Der Aargau sollte diese aber nicht überstrapazieren. Einen Schuhtritt für den Kulturlastenausgleich würde er bald bitter bereuen.

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