Da sagte ein hoher Ford-Manager mehr, als er vermutlich wollte: «Wir wissen genau, wann unsere Fahrer das Gesetz brechen», prahlte James Farley bereits 2014 an einer Konferenz. Bis zu 200 Sensoren zeichnen in einem modernen Auto Daten auf – von der Geschwindigkeit über den Abstand zum Vorwagen bis zur Temperatur im Innenraum. Registriert wird auch, ob die Sicherheitsgurte eingerastet sind und welche Musik abgespielt wird. Verfügt der Wagen über eine Verbindung zum Internet, werden diese Informationen bei vielen Modellen an die Hersteller übermittelt.

Diese Vernetzung wird bald Standard sein: Ab April muss in jedem neuen Automodell eine SIM-Karte verbaut sein. Grund dafür ist ein automatisches Notrufsystem, das bei einem Unfall aktiv wird – über dieselbe Verbindung lassen sich aber auch zu jedem Zeitpunkt Daten abschöpfen. Bald gibt jedes Auto aus der Ferne Auskunft über Verhalten und Vorliebe seines Fahrers.

Dass die Autohersteller die alleinige Kontrolle über diese Daten haben, daran stören sich die Versicherungen und haben eine Petition gestartet. Sie wollen, dass die Daten auf dem Server eines unabhängigen Treuhänders gespeichert werden. Die Forderung erfolgt nicht ohne Eigeninteresse. Schliesslich sind die Daten auch für die Versicherungen interessant: Wenn sie wissen, wer wie fährt, können sie ihre Leistungen entsprechend anpassen. Für die Autofahrer selber ist damit aber nur dann etwas gewonnen, wenn auch sie Zugriff auf die Daten haben – und zumindest wissen, was andere über sie wissen.

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