Burkaverbot

Den Esel meinen, den Sack schlagen

Eine Burkaträgerin in Interlaken.

Eine Burkaträgerin in Interlaken.

Hauchdünn hat der Nationalrat dem Burkaverbot zugestimmt. Dieses bewegt die Gemüter – nicht nur im Parlament. Der Kommentar.

Es gibt kaum ein Politthema, das derzeit so emotional diskutiert wird wie das Burkaverbot. Das zeigen die Voten im Parlament, das zeigen die Risse, die durch die Parteien gehen, das zeigen die Reaktionen aus der Leserschaft auf jeden Artikel zum Thema. Ich stelle mich auch dieses Mal auf eine Mailbox ein, die überquellen wird.

Die Gründe für die Emotionalität sind vielschichtig: Die Meldungen von religiös motiviertem Terror, von Hasspredigern, von kriegerischen Gräueltaten reissen nicht ab und wir verbinden sie mit dem Islam, weil sich die Urheber perfiderweise darauf berufen. In diesem Kontext hat es das Argument schwer, wonach dies alles nichts mit der grossen Mehrheit der Muslime und glücklicherweise auch herzlich wenig mit der Schweiz zu tun hat. Ein beträchtlicher Teil der hiesigen Bevölkerung sieht die eigene, christliche Identität bedroht.

Da kommt die Burkadebatte vielen gerade recht, um ein Zeichen zu setzen – wie damals die Minarettabstimmung. Es bleibt aber eine Stellvertreterdiskussion, bei der es im Kern nicht um ein Stück Tuch, sondern um die Stellung unserer eigenen Kultur gegenüber einer anderen Religionsgemeinschaft geht. Man meint den Esel und schlägt den Sack.

Ob die Burka in unseren Städten und Dörfern überhaupt ein Problem darstellt, bleibt sekundär. Dabei täte mehr Nüchternheit gut: Ja, es ist befremdlich, einer vollverschleierten Frau zu begegnen. Sie tut einem sogar leid. Aber wie oft passiert es? Und vor allem: Glaubt jemand allen Ernstes, irgendein Problem mit extremem Islamismus werde mit einem Schweizer Burkaverbot gelöst?

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