Liberalisierung

«Dass sich der Strommarkt für alle öffnet, ist überfällig»

Die vollständige Öffnung des Marktes würde für gleich lange Spiesse unter Energieproduzenten sorgen

Die vollständige Öffnung des Marktes würde für gleich lange Spiesse unter Energieproduzenten sorgen

Geht es nach dem Nationalrat, soll der Strommarkt bald auch für Kleinkunden liberalisiert werden. Der Kommentar.

Am Donnerstag stimmte der Nationalrat für mehr Wettbewerb im Strommarkt. Künftig sollen nicht nur Grossverbraucher den Strom auf dem freien Markt einkaufen können, sondern auch jeder Privathaushalt. Dass sich der Strommarkt für alle öffnet, ist überfällig. Die Konsumenten können endlich ihren lokalen Monopolanbietern den Laufpass geben und von tieferen Preisen profitieren.

Die vollständige Öffnung des Marktes würde zudem für gleich lange Spiesse unter Energieproduzenten sorgen. Die Leidtragenden der teilweisen Marktöffnung, wie man sie in der Schweiz heute kennt, sind Konzerne wie Axpo und Alpiq. Weil sie über keine gebundenen Kunden verfügen, sind sie gezwungen, den Strom im freien Markt zu internationalen (Tiefst-)Preisen abzusetzen. In den letzten Jahren war das ein Verlustgeschäft. Anbieter wie BKW dagegen profitierten von der heutigen Situation, indem sie ihren selbstproduzierten Strom zu hohen Monopolpreisen an ihre gebundenen Kunden verkaufen können.

Der Entscheid des Nationalrats ist auch aus europapolitischem Blickwinkel richtig. Ein Energieabkommen mit der EU bedingt, dass die Schweiz den Markt vorher öffnet. Das ist eine Vorleistung, welche die Schweiz erbringen muss. Doch damit ist auch eine Schattenseite verknüpft: Die Marktöffnung wird dazu führen, dass noch mehr Strom importiert wird. Kommt dieser aus Norden, ist viel Dreckstrom aus Kohlekraftwerken dabei, was dem Klimaschutz zuwiderläuft. Andererseits hat gerade auch Deutschland beträchtliche Mittel in den Ausbau von sauberem Wind- und Solarstrom gesteckt.

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