Kommentar

Das Wort zur Champions League – René Weiler (schon wieder) im Gegenwind

Vor drei Monaten ist René Weiler noch ein Held gewesen. Ein Erfolgstrainer, der den belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht nach drei Jahren wieder zum Titel und in die Champions League geführt hat.

«Wir verneigen uns, Chapeau!», haben Altstars und Experten geheuchelt und Abbitte dafür geleistet, dass sie den unbekannten Trainer aus der Schweiz noch im Herbst aufs Heftigste kritisiert oder gar dessen Ablösung gefordert hatten.

Weiler aber war daran nicht zerbrochen, sondern hatte knallhart sein Konzept durchgezogen, um am Ende mit der souverän errungenen Meisterschaft belohnt zu werden. Und viel Kredit? Denkste.

Wenn es nach der belgischen Presse, vor allem der flämischen, geht, ist dieser fast schon wieder aufgebraucht. Ähnlich wie beim FC Basel vor dessen Champions-League-Einsatz in Manchester herrscht auch in Anderlecht vor dem Auftritt beim FC Bayern Katerstimmung.

Mit nur einem Sieg in fünf Spielen in die Meisterschaft gestartet, wäre bei den Violett-Weissen nun der Teufel los gewesen, hätte am Freitag gegen das bescheidene Lokeren nicht der Pole Teodorczyk in der letzten Minute zum 3:2 getroffen. Dann hätte hier vollends der Baum gebrannt, heisst es aus Belgien.

Zankapfel ist Sven Kums, der Königstransfer des Sommers. Für sechs Millionen Euro von Watford zurückgeholt, soll der Aufbauer den für 25 Millionen Euro zu Monaco transferierten Jungstar Youri Tielemans ersetzen. Doch Weiler ist mit dem 29-Jährigen Kums nicht zufrieden.

Er hatte ihn gegen Lokeren aus dem Kader gestrichen und auch nicht nach München mitnehmen wollen. Auf Druck seitens des Managements sei er aber mitgereist, sagen belgische Insider.

Unter dem Strich geht es um die Spielphilosophie. Von Anderlecht wird in ganz Belgien erwartet, dass es einen dominanten Ballbesitzfussball spielt.

Weiler aber präferiert einen schnellen Umschaltfussball. Zumindest heute Abend in München dürfte er dafür nicht kritisiert werden. Wobei: Sicher ist das nicht.

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