Es führt kein Weg darum herum: Das Rentensystem in der Schweiz muss den heutigen Verhältnissen angepasst werden. Die Menschen werden immer älter. Ausserdem fällt der «Dritte Beitragszahler», die Anlageerträge, auf Jahre hinaus praktisch weg. Die Reformvorschläge des Bundesrats gehen sicher in die richtige Richtung, auch wenn sie nicht die Flexibilität ermöglichen, die man sich erwünscht hatte. Dass die Renten nicht angetastet werden, macht Sinn. Alles andere wäre rechtlich heikel und politischer Selbstmord.

Doch die gegenwärtige Diskussion um die Reform zeigt: Schon der Vorschlag des Bundesrats, so ausgewogen er ist, hat es schwer. Nicht wegen inhaltlichen Fragen, nicht wegen der zweiten Säule. Sondern weil die AHV, die ebenfalls reformiert werden soll, zum politischen Zankapfel geworden ist. Die Linke, die seit den Siebzigerjahren gegen die Einführung einer starken zweiten Säule gekämpft hatte und die auch 1985, als die obligatorische Pensionskasse Realität wurde, lieber die AHV stärken wollte, sieht ihre Felle davon schwimmen. Sie unterstützt deshalb die von den Gewerkschaften lancierte Volksinitiative «AHVplus». Angesichts der bürgerlichen Mehrheit im Parlament ist die Sorge nicht ganz unbegründet. Doch damit wird das Fuder überladen.

Für die heute aktive Generation heisst das nichts Gutes: Sie muss mit ihrem Vermögen die Rentner mitfinanzieren. Sie wird auch mit weniger Rente leben müssen. Viele Pensionskassen senken die technischen Zinssätze, da sie nicht mehr mit hohen Anlagerenditen rechnen können. Ausserdem wird die Generation mit einem tiefen Umwandlungssatz zu rechnen haben. In der bundesrätlichen Rentenrevision würden die Probleme dieser Generation berücksichtigt. Eine Überbrückung könnte finanziert werden. Doch dazu müsste sich ja erst einmal das Parlament finden.