Im Herbst steigt bei den Freunden schillernder Sprechblasen die Vorfreude. Dann nämlich enthüllt Klaus Schwab, der umtriebige Gründer des World Economic Forum, das Motto für das nächste «Annual Meeting». Schwabs Slogans sind legendär: die klangvollen Wortgebilde mit der Konsistenz von verdichteter Luft bleiben selbst WEF-Insidern ein Rätsel. Ist das noch PR oder schon prophetische Lyrik?

Obskur wie ein Orakelspruch kommt auch das neueste Motto daher: «Creating a Shared Future in a Fractured World» – «Das Schaffen einer gemeinsamen Zukunft in einer zerrissenen Welt». Das klingt gut, ist aber so inhaltsleer und austauschbar wie die Phrasen in den Jahren zuvor. Wo die grosse Geste auf die grösstmögliche Vagheit trifft, bleibt am Ende nur das sprachliche Windei.

«Den Zustand der Welt verbessern», hat sich das WEF auf die Fahnen geschrieben. Schwabs moralischer Anspruch spiegelt sich auch in den hochtrabenden Mottos der Konferenz. Leerformeln wie «Die Kraft gemeinsamer Erneuerung» (2008), «Geteilte Normen für eine neue Realität» (2011) oder «Widerstandsfähige Dynamik» (2013) stellen selbst für gewiefte Podiums-Intellektuelle eine Herausforderung dar.

Zum Glück kann man am WEF auch Cüpli trinken.