Sprachriff

Das Herz «in Asche» oder «in Tränen»

Brennt ein Kulturdenkmal von herausragender Bedeutung, versengt das oft auch die Sprache. Notre-Dame spiegelt die Geschichte Frankreichs – mehr ist nicht zu sagen, um zu ermessen, welches Unglück vorgestern über Paris hereinbrach. Auch wenn die örtliche Feuerwehr den Rat des Weisen aus Washington aus dem Wind schlug und keine Löschflugzeuge einsetzte, scheint sich der Schaden in Grenzen zu halten. Vielleicht deshalb.

Aber woher kommt dieser Flächenbrand an Sentimentalitäten? «Unsere Seele geht in Flammen auf», sagte ein Passant, «das haben nicht mal die Nazis geschafft.» – «Es ist vorbei, es ist vorbei, es wird nie wieder so sein, wie es mal war!», rief eine Passantin. Nie wieder so wie zur Revolutionszeit, als Notre-Dame ein Lager war für Weinfässer? Die Zeitung «Le Parisien» titelte: «Unsere Dame der Tränen», die katholische «La Croix»: «Das Herz in Asche». Barack Obama twitterte: «Wir sind in Gedanken beim französischen Volk.» Angela Merkel: «Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen.»

Auf den Sozialmedien war das Echo ebenso unglücks-sehnsüchtig oder fanal-selig. Fehlte bloss: «Je suis Notre-Dame.» Beeindruckend dagegen die Reaktion des Präsidenten der «Freunde von Notre-Dame»: «Ein grosser Rückschritt.» Will sagen: Wir sammeln Geld und restaurieren weiter.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1