In Europa verstärkt sich eine neue linke Bewegung. Sie verbindet klassische soziale Anliegen mit national angehauchten Elementen. Sahra Wagenknecht, die Vorsitzende der deutschen «Linken», gründet im September die Bewegung «Aufstehen». «Anständige Löhne» sind eines ihrer Ziele. Internationalismus, betont sie, heisse nicht: «Abwerben der Mittelschicht aus armen Ländern, um hier Lohndumping zu betreiben.»

Mit «Aufstehen» reiht sich Wagenknecht in ähnliche Bewegungen ein, die in Grossbritannien mit «Momentum» um Jeremy Corbyn und in Frankreich mit «Unbeugsames Frankreich» um Jean-Luc Mélenchon entstanden sind. Mélenchon will in Frankreich einen Mindestlohn von 1700 Euro. Corbyn in Grossbritannien Bahn, Post, Wasser- und Stromversorgung wieder verstaatlichen. Und er fordert einen Mindestlohn von zehn Pfund.

Cédric Wermuth betont zwar, man könne ihn nicht in dieselbe Ecke stecken wie Sahra Wagenknecht. Dennoch verdeutlicht seine Kritik an der EU das Dilemma, in dem er und die SP Schweiz sind: Sie stehen im Clinch zwischen ihrem traditionellen politischen Internationalismus und einer Rückbesinnung auf nationale Aspekte, wie sie bei der Linken selbst in Europa Einzug gehalten hat.

Löhne werden dabei zu einem immer zentraleren Faktor. Der Service public, zumindest bei Corbyn, ebenfalls. Hier lobt Cédric Wermuth die Schweiz: Sie habe weder die Kerninfrastrukturen zerschlagen noch die Gewerkschaften. Sie habe diese mit den flankierenden Massnahmen im Gegenteil gestärkt. Aussagen, die zeigen: Das Pendel schlägt bei Wermuth – und bei der SP – deutlich nationaler aus als auch schon.

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