Kommentar

Coronakrise: Der Appell an die Bevölkerung sollte auch für Politiker gelten

Weihnachtsbeleuchtung in Baden, leere Einkaufsstrassen.

Weihnachtsbeleuchtung in Baden, leere Einkaufsstrassen.

Streit um Ladenschliessungen und parteipolitische Profilierungen lenken im Aargau vom wahren Problem ab in der Coronakrise. Ein Kommentar.

Das Powerplay des Aargauischen Gewerbeverbands hat gewirkt. Nach mehrtägigem Beschuss, sekundiert von SVP, FDP und CVP, öffnet der Regierungsrat nochmals die Schatulle und verspricht Ladenbesitzern, die wegen der über Nacht verfügten Schliessung in Not geraten, erleichterte Finanzhilfe. Das ist in der Sache richtig und ein versöhnliches Zeichen rechtzeitig zu Weihnachten.

Zwar forderte der Gewerbeverband die Wiedereröffnung der Läden. Aber an den Weihnachtsmann glaubt auch er nicht. Selbst die Gewerbevertreter wissen, dass der Regierungsrat seinen Entscheid nicht rückgängig macht. Nicht um das Gesicht zu wahren, sondern weil er es nicht verantworten kann angesichts der prekären Coronasituation in den Spitälern.

Als Interessenvertreter ihrer Mitglieder war die Maximalforderung des Gewerbeverbandes legitim. Von politischen Parteien dagegen dürfte man eine etwas ganzheitlichere Betrachtungsweise erwarten. Jedenfalls lässt sich die wohl grösste Herausforderung seit Jahrzehnten kaum bewältigen mit einem Kleinkrieg ums Weihnachtsgeschäft. Auch der Frontalangriff der SP auf SVP-Gesundheitsdirektor dient mehr der parteipolitischen Profilierung als der Lösungsfindung.

Den Appell an die Bevölkerung, die Pandemie solidarisch zu bekämpfen und dafür über den Tellerrand zu blicken, dürfen sich auch Politiker zu Herzen nehmen.

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