Julius Bär

Collardi geht in die Anonymität

Boris Collardi verlässt Julius Bär.

Boris Collardi verlässt Julius Bär.

Bank-Chef Boris Collardi bessert sich mit dem Wechsel von Julius Bär zu Pictet das Gehalt auf. Der Kommentar.

Noch vor eineinhalb Jahren verneinte er einen Wechsel nach Genf. In einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» sagte Boris Collardi, dass es «überhaupt keinen Plan» gebe. «Ich bin und bleibe bei Bär.» Damals tauchten erste Gerüchte auf, dass der Chef von Julius Bär als Teilhaber zu Lombard Odier wechseln könnte. Die Gespräche zwischen ihm und Patrick Odier verliefen jedoch im Sand. Beim zweiten Anlauf klappt es nun doch. Mitte 2018 wird Collardi als Teilhaber bei der Bank Pictet einsteigen, der Nummer eins auf dem Genfer Finanzplatz.

Dass sich ein Manager von einem grossen börsenkotierten Unternehmen in die Anonymität einer kleineren Privatbank verabschiedet, hat Seltenheitswert. Im Fall von Boris Collardi ist der Wechsel jedoch nachvollziehbar. An Spitzenbanker wie ihn werden immer strengere Transparenzvorschriften gestellt: Private Investments, Löhne, Kredite, Beziehungen werden zunehmend öffentlich verhandelt. Wie oft musste sich Collardi für sein Millionengehalt rechtfertigen, seine Schwäche für italienische Boliden oder seine privaten Immobilieninvestments im Zürcher Kreis vier?

In Genf wird Collardi unbehelligter seinen Geschäften nachgehen können. Als nicht börsenkotierte Privatbank macht Pictet die Bezüge ihrer Teilhaber nicht öffentlich, ob und wie viel Kredit jemand aufnimmt, wird ebenfalls nicht rapportiert. Für Collardi geht die Rechnung auf: Als Teilhaber dürfte er auf Einkünfte in der Höhe von 20 bis 25 Millionen Franken kommen. Damit wird er so viel verdienen wie die Chefs von UBS und CS zusammen.

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