Im vergangenen Jahr erzielte das Kantonsspital Baden einen Umsatz von 355 Millionen Franken und wies einen Gewinn von 38,7 Millionen Franken aus. Im Vergleich dazu nehmen sich die 45'000 Franken, die ein Chefarzt dem Spital wegen fehlerhafter Abrechnungen zurückzahlen muss, bescheiden aus. Doch in diesem Fall geht es nicht primär ums Geld, sondern um ein viel wichtigeres Kapital für ein Spital: das Vertrauen der Patienten.

Dass der Name eines Chefarztes auf der Abrechnung steht, der im Operationssaal den Eingriff gar nicht selber durchgeführt hat, weckt Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit dieses Arztes. Das Kantonsspital Baden hat richtig gehandelt, indem es sofort eine externe Prüfung und ein Fachgutachten in Auftrag gegeben hat, als die Vorwürfe publik wurden. Auch die Kommunikation des Spitals, das die Schadensumme nennt und Erkenntnisse der Untersuchung bekannt gibt, ist vertrauensfördernd.

Dennoch bleiben Fragezeichen, wenn es um den Zeitraum der Untersuchung geht. Offenbar hat sich der Chefarzt seit Anfang 2015 keine strafrechtlich relevanten Verfehlungen geleistet. Und bei der Abrechnung der geprüften Operationen hat er zwar die Sorgfaltspflicht verletzt, aber nicht versucht, sich zu bereichern. Ob dies auch für die Zeit von 2007 bis 2015 gilt, als der Chefarzt auch schon in Baden tätig war, bleibt dagegen offen. Abrechnungen und Operationsberichte aus diesen Jahren wurden nicht geprüft. Darum lässt sich auch der Verdacht, dass der Arzt früher doch systematisch falsch abgerechnet hat, nicht restlos ausräumen.

fabian.haegler@azmedien.ch