Vor anderthalb Jahren erhielt die AZ erste Hinweise auf Unregelmässigkeiten bei Abrechnungen von Chefärzten an Kantonsspitälern. In den folgenden Monaten ergaben Recherchen: Ärzte erfassten in Hunderten von Fällen medizinische Leistungen auf ihren Namen, die sie gar nicht selber erbracht hatten. Später belegten interne Dokumente, externe Gutachten und Antworten auf politische Vorstösse: Das Ausmass der Chefarzt-Affäre ist grösser als angenommen.

Dennoch blieben Fragen offen, mit Verweis auf Datenschutz, laufende Verfahren oder das Amtsgeheimnis verweigerten Spitalleitungen sowie kantonale Gesundheits- und Justizbehörden immer wieder Antworten. Was bei Fragen von Journalisten eine übliche Reaktion ist, bemängelt nun auch die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates. Sie hat nicht alle Antworten erhalten, die sie zur Untersuchung der Affäre benötigt. Deshalb soll nun die Finanzaufsicht endlich Licht ins Dunkel bringen.

Die Prüfung durch die unabhängige Finanzkontrolle wird zeigen, wie gravierend das Fehlverhalten der Ärzte ist und ob die Spitalverantwortlichen ihre Kontrollaufgaben erfüllt haben. Bis der Bericht vorliegt, dürfte einige Zeit vergehen – die Untersuchung ist aber nötig. In den letzten Monaten hat sich einiges verändert: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall des fehlbaren Chefarztes in Aarau nun doch, die Geschäftsprüfungskommission lässt das Kantonsspital Baden prüfen, obwohl der Regierungsrat keinen Handlungsbedarf sah. Beides ist richtig, nur eine vollständige Aufklärung kann die Affäre beenden.