Morgen wissen wir, ob der Tessiner FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis, wie allseits erwartet, die Wahl in den Bundesrat schafft. Voraussichtlich zwei Tage später wird die Regierung über die Verteilung der Departemente entscheiden. Kommt es wieder zu einer Rochade, wie zuletzt 2015, 2012 — und 2010, als gleich zwei Bundesrätinnen wechselten? Nicht die damals neugewählten Simonetta Sommaruga (SP) und Johann Schneider-Ammann (FDP) übernahmen die freien Departemente, sondern Doris Leuthard (CVP) und Eveline Widmer-Schlumpf (BDP); sie schnappten sich das Verkehrs- beziehungsweise Finanzdepartement.

Departementswechsel haben in unserem auf Kontinuität bedachten Regierungssystem etwas Aufregendes, sind aber völlig normal. Innenminister Alain Berset (SP) werden Ambitionen auf das Aussenministerium nachgesagt. Der smarte Fribourger, der eleganter Deutsch spricht als mancher Deutschschweizer Magistrat, gäbe auf dem internationalen Parkett eine gute Figur ab. Doch einen Westschweizer Vertreter der SP, die immer noch das EU-Beitrittsziel im Parteiprogramm hat, ins Aussenministerium zu befördern, würde alle Hoffnungen auf eine Entkrampfung der Europapolitik zunichtemachen. Die ideologische Verhärtung, zu der der europhile Freisinnige Didier Burkhalter beigetragen hat, würde sich noch akzentuieren.

Dabei brauchen wir zur Sicherung der Bilateralen, des wichtigsten politischen Dossiers, Versöhnung und Pragmatismus. Ignazio Cassis wäre ein Brückenbauer zwischen Europa-Skeptikern und -Euphorikern. Wird er gewählt, wäre er der ideale Aussenminister.

patrik.mueller@azmedien.ch