Gesundheitskosten

Bundesentscheid über Franchisen-Erhöhung: Der falsche Hebel

Roman Schenkel: «Eine Entlastung bei den Prämien dürfte mit dieser Massnahme eher bescheiden ausfallen.» (Archivbild)

Roman Schenkel: «Eine Entlastung bei den Prämien dürfte mit dieser Massnahme eher bescheiden ausfallen.» (Archivbild)

Im Herbst fallen die Blätter und steigen die Krankenkassenprämien. Jahr für Jahr nimmt die Belastung für die Prämienzahler zu. Dagegen gibt es grosse politische Anstrengungen, eine Trendwende ist aber nicht in Sicht. Nun sollen zusätzlich die Franchisen um 50 Franken steigen – nach dem Ständerat hat das gestern auch der Nationalrat beschlossen.

Die direkte Folge: Wer krank ist oder verunfallt, muss einen leicht grösseren Teil der Kosten selber berappen. Je nach Entwicklung der Gesundheitskosten würde der Bund zudem voraussichtlich alle drei, vier Jahre sämtliche Franchisestufen um 50 Franken anheben. Im Gegenzug würden die Prämienrunden etwas milder ausfallen. So weit die Hoffnung.

Höhere Franchisen sollen nämlich unnötige Arzt- und Spitalbesuche verhindern. Wer mehr bezahlen muss, hält sich eher zurück. Es ist zwar gut, dass die Politik damit an die Eigenverantwortung der Bevölkerung appelliert. Aber Illusionen sollte man sich keine machen.

Wegen 50 Franken mehr werden nicht viele auf einen Arztbesuch verzichten. Hinzu kommt: Schon heute wählen viele Versicherte die Maximalfranchise von 2500 Franken. Und zwar nicht, weil sie kosten- oder gesundheitsbewusst sind, sondern weil sie die Prämienlast sonst nicht schultern könnten.

Eine Entlastung bei den Prämien dürfte mit dieser Massnahme eher bescheiden ausfallen. Vielmehr ist eine Kostenverlagerung von den Prämien zu den Franchisen zu erwarten – die Gesundheitskosten aber werden weitersteigen. Das zeigt, dass die Franchisenerhöhung der falsche Hebel ist, um die Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen.

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