Als Daniel Moser (FDP) 2009 von den Bruggerinnen und Bruggern zum neuen Stadtammann gewählt wurde, waren die Erwartungen an den damals 51-Jährigen gross. Die Wähler trauten Moser zu, dass er für die Stadt eine Vision hat, die Bürger ernst nimmt, regelmässig informiert und er das Prophetenstädtchen zu einem dynamischen Bildungszentrum weiterentwickeln wird. Doch acht Jahre später ist bei vielen Bruggern die Ernüchterung gross. Der Langstreckenpilot brachte die Stadt Brugg nicht zum Fliegen.

Daniel Mosers Leistungsausweis als Stadtammann ist überschaubar. Ein Grossteil von dem, was heute realisiert ist, wurde noch vor Mosers Amtszeit aufgegleist. Man denke nur an den Campus-Neubau. Mosers Gestaltungswille war – von aussen betrachtet – kaum erkennbar. Die Beziehung mit der Nachbargemeinde Windisch wurde schwieriger und schlechter, anstatt besser. Die Zusammenarbeit bröckelt. Der Steuerfuss wurde erhöht. Brugg hat einige Baustellen. Stichworte sind Neumarkt und Bahnhofplatz, zentrale Verwaltung «Alte Post» sowie an mehreren Stellen Verkehrsprobleme. Die Bevölkerung fühlt sich orientierungslos. Woran liegt es, dass es in der Stadt Brugg nicht vorwärtsgehen will? An den Parteien? An der Persönlichkeit des Ammanns? An der Verwaltung?

Die Brugger Stimmbürger haben nun am Sonntag die Gelegenheit, das neue Stadtoberhaupt zu wählen. Daniel Moser stellt sich – wie vor acht Jahren angekündigt – für die Wahl nicht mehr zur Verfügung. Als offizielle Ammann-Kandidaten für den ersten Wahlgang angemeldet haben sich Titus Meier (36, FDP), Richard Fischer (67, parteilos) und Barbara Horlacher (46, Grüne). Sie alle haben in den vergangenen Wochen in verschiedenen Statements klar gemacht, dass sie in der Stadt Brugg noch erhebliches Entwicklungspotenzial sehen und beispielsweise die Kommunikation der Stadt mit der Bevölkerung, den Unternehmen, den Organisationen sowie den Medien sofort verbessern würden.

Als die FDP-Stadtpartei Anfang März die Nomination von Titus Meier als Ammann-Kandidat bekannt gab, war das für niemanden eine Überraschung. Der umtriebige, ehrgeizige und schlagfertige Historiker wird schon seit Jahren als potenzieller Nachfolger von Daniel Moser gehandelt. In der parteiinternen Ausmarchung konnte er sich gegen Stadtrat Reto Wettstein (38) durchsetzen. Mit Meiers Wahl würde die lange Tradition von freisinnigen Brugger Stadtammännern fortgesetzt.

Anfang Mai brachte sich der ehemalige Unternehmer Richard Fischer selbst als Ammann-Kandidatur ins Spiel. Dies, obwohl der Parteilose zuerst abwarten wollte, wie sich das Kandidatenfeld präsentiert. Doch dem Provokateur und Querdenker ging es einmal mehr zu wenig schnell. Der ehemalige FDPler wollte bei den wichtigsten Wahlen mitmischen – und das Feld nicht einfach kampflos Titus Meier überlassen. Über die Website «Nähe und Dialog» versuchte Fischer erfolglos, mit der Bevölkerung die grössten Anliegen zu diskutieren.

Ernsthafte Konkurrenz erhielt Titus Meier in der zweiten Mai-Hälfte mit der Kandidatur von Barbara Horlacher. Die Umweltnaturwissenschaftlerin wurde zwar in Brugg bereits an der Fasnacht von den Hexen als potenzielle Frau Ammann thematisiert. Mit dem Entscheid liess sich Horlacher dann aber bis Ende Mai Zeit. Die Leiterin der Umweltabteilung am Flughafen Basel-Mulhouse würde – wie der Brugger Bezirksschullehrer Titus Meier – aus beruflichen Gründen nur die Wahl als Ammann und nicht als nebenamtlicher Stadtrat annehmen. Ihr Auftritt im Wahlkampf wirkt zwar weniger engagiert als derjenige von Titus Meier. Horlacher, die über Berufserfahrung in der Privatwirtschaft und der Verwaltung verfügt, würde sich nach der Wahl aber ausschliesslich in den Dienst der Stadt stellen. Meier müsste nach seiner Wahl all seine bisherigen Tätigkeiten und Mitgliedschaften überprüfen. Weiterhin ausüben möchte er sein Grossrats-Mandat, das ihm einen direkten Draht zum Kanton bietet, sowie seine Funktion im Militär.

Alle Kandidaten versprechen, in Brugg für markante Veränderungen zu sorgen. Aufgrund des Alters und ihrer Bereitschaft, während zweier bis dreier Amtsperioden als Ammann zu wirken, haben Meier und Horlacher die besten Chancen. Entscheidend wird sein, wer seine Wähler am besten mobilisieren kann. Fischers Stimmen könnten allenfalls dazu führen, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommt oder dass einer der vier bisherigen Stadträte die Wiederwahl nicht mehr schafft.