Der erste Schritt zum Brexit ist mit der Einreichung des Austrittsantrags getan. Bis das Vereinigte Königreich aber die EU verlassen wird, ist es noch ein weiter Weg. Und die Fallstricke für die Verhandlungen sind gleich tausendfach vorhanden. Auch wenn beide Seiten ein Höchstmass an gutem Willen aufbringen, bleibt die Gefahr gross, dass es zu einem Zerwürfnis kommt und Grossbritannien am 29. April 2019 ohne eine Scheidungs-Vereinbarung dasteht.

Was dann geschieht, ist ungewiss. Ob sich die 27 Staats- und Regierungschefs dazu durchringen wollen, die Frist zu verlängern, ist offen. Im schlimmsten Fall wird das Vereinigte Königreich zu einem gewöhnlichen Drittstaat, ein Szenario, das auch schon unter dem Schlagwort «Modell Botswana» die Runde macht. Bis ein Folge-Arrangement ausgehandelt ist, könnte es Jahre dauern, wie die Geschichte des Ceta-Freihandelsabkommens mit Kanada zeigt. Dass es sich die Briten angesichts der Kosten eines solchen Schwebezustands nochmals anders überlegen und den Rücktritt vom Austritt bekannt geben, gilt nicht als ausgeschlossen.

Normalerweise gelten sie als rationale Verhandler, die ihre Milchbüchleinrechnung nüchtern aufzeichnen. Ausserdem sitzt Brüssel am längeren Hebel. Die Briten werfen zwar ein grosses wirtschaftliches Gewicht in die Waagschale, trotzdem sind sie mehr auf die EU angewiesen als umgekehrt. Und der EU geht es neben den wirtschaftlichen Fragen im Verhältnis zu Grossbritannien auch um die eigene Zukunft als politische Einheit. Bei aller Freundschaft wird die Botschaft Brüssels an die Adresse Londons deshalb lauten: «Bon voyage!»