Politkarrieristen» nannte die «NZZ am Sonntag» die neue Generation von Jungpolitikern, die nach der Jahrtausendwende den Nationalrat eroberte. Während sich Gleichaltrige auf den Berufseinstieg konzentrierten, setzten sie auf die Politik. Diese alternden Jungpolitiker kommen irgendwann an einen Scheideweg: Manche schaffen den Sprung in eine Regierung, wenigen gelingt der Wechsel in den Ständerat. Pascale Bruderer ist die Erste ihrer Generation, die sich aus der Politik zurückziehen wird, um eine zweite Karriere zu starten.

Ihre Erste verlief schnörkellos. Bewusst wurde sie auch von ihrer Partei gefördert: Mit 32 Jahren war die Aargauerin die jüngste Nationalratspräsidentin der Geschichte. Zwei Jahre später wählte der bürgerliche Kanton Aargau die SPlerin in den Ständerat. Eine kleine Sensation.

Dabei geholfen hat der 40-Jährigen ihre Ausrichtung: Immer wieder stellt(e) sie sich gegen die Parteilinie. So lehnte sie die Erbschaftssteuer- und 1:12-Initiative ab und befürwortet einen Ausbau der A1. In der Partei sah man ihr dies nach. Denn Leute wie Bruderer sind dafür verantwortlich, dass die SP im Ständerat Boden gut gemacht hat. Dieser Machtzuwachs hat viel mit dem reformorientierten Flügel der Partei zu tun und Namen wie Bruderer, Jositsch, Janiak oder Stöckli.

Bruderer kann Mehrheiten schaffen. Deshalb galt sie auch immer als mögliche Bundesrätin. Doch die Nachfolgerin von SP-Frau Simonetta Sommaruga wird wohl ohnehin aus der Westschweiz kommen Der Einstieg ins Berufsleben ist einfacher zu planen, als der nächste politische Aufstieg.