«Kabel sind unnötig und was unnötig ist, soll weg»

Apple setzt konsequent auf neue Standards. Bisher lag der Konzern damit immer richtig. Das wird auch bei den neuen Kopfhörern so sein.

Kabel sind alte Zöpfe. Sie gehören abgeschnitten. Daten schwirren heute durch die Luft, Drähte sind unnötig. Und was unnötig ist, soll weg. Musik lässt sich heute problemlos über Bluetooth übertragen – ein Standard zur Datenübermittlung über den jedes Smartphone verfügt.

Apple hatt mit den AirPods eigene, wunderbar futuristisch aussehende Bluetooth-Kopfhörer geschaffen. Das Geniale an den kleinen Hörern: Sie verbinden sich automatisch mit dem Smartphone, sobald man sie sich in die Ohren stöpselt. Nimmt man sie wieder heraus, pausiert die Musik. Was will man mehr? Und wenn man sie in der dafür vorgesehenen Schachtel aufbewahrt, kann man damit 24 Stunden Musik hören. Das sind zwei Langstreckenflüge. Das Beste aber: Man gewinnt mit den AirPods ganz viel Zeit. Zeit, die man früher dafür verwendete, das Kopfhörerkabel, das sich ständig im Hosensack oder der Tasche verhedderte, zu entwirren.

Und weil Kopfhörer ohne Kabel auskommen, ist es auch konsequent von Apple, dass die Kopfhörerbuchse beim iPhone 7 eingespart wird. Denn der Platz in einem Smartphone ist äusserst begrenzt und sollte für die wichtigen Komponenten genutzt werden. Wer unbedingt seine alten Kabel-Kopfhörer nutzen will, der stöpselt diese mit einem speziellen Adapter an die Lightning-Schnittstelle an, über die das Handy sonst mit Strom versorgt wird.

Apple verabschiedete sich in der Vergangenheit schon öfter konsequent von alten Standards – und lag damit eigentlich immer richtig. Als Steve Jobs 1998 den iMac vorstellte, beklagten Kritiker, dass externes Zubehör nur über die damals neue USB-Schnittstelle angeschlossen werden konnte und dass das Diskettenlaufwerk fehlte. Zehn Jahre später wagte Apple einen ähnlich radikalen Schritt, indem der Konzern beim MacBook Air auf das CD-Laufwerk verzichtete. Die USB-Schnittstelle konnte sich bis heute halten. Disketten sind längst Antiquitäten und CDs auf dem besten Weg dazu. So wird es auch dem Kopfhöreranschluss ergehen.

Apple mag zwar kein innovativer Tech-Konzern mehr sein. Die meisten neuen Features des iPhone 7 haben die Geräte der Konkurrenz schon länger. Doch Apple versteht es, durch Weglassen Innovation zu schaffen.

So bewirbt Apple seine neuen kabellosen Kopfhörer, die AirPods

So bewirbt Apple seine neuen kabellosen Kopfhörer, die AirPods

«Danke, Apple! Schon wieder etwas zum Aufladen.»

Sie werden immer dann leer sein, wenn man sie unbedingt will. Und aussehen tun AirPods sowieso bescheuert. Ein Plädoyer für Kabel.

Wir wussten es ohnehin schon. Irgendetwas wird sich Apple beim neuen Smartphone schon einfallen lassen, um den Nutzern noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen und sie noch ein wenig abhängiger zu machen. Tatsächlich: Apple bringt kabellose, kleine Stecker fürs Ohr heraus und verzichtet künftig auf den herkömmlichen Kopfhörer-Anschluss. Bluetooth statt Kabel. Fortschritt.

Aber ist es Fortschritt, wenn wir die heutigen Smartphones kaum einen Tag lang benutzen können, bis wir sie wieder anzapfen müssen? Jetzt brauchen Telefon und Kopfhörer Saft. Nach fünf Stunden wird es nämlich leise. Wetten, wir wollen genau dann unseren Lieblingssong hören? Aber für die kleinen Dinger heisst es dann erst mal: Boxenstopp. Apropos klein. Im Ohr würden sie stecken bleiben – berichten allenfalls eifrige Tester. Wie gut sie beim Joggen wirklich halten, wird sich zeigen. Aber wenn sie dann mal nicht im Ohr sitzen? Wir werden sie streng bewachen müssen. Mir nichts, dir nichts sind sie sonst verschollen. Dafür ist das Kabel eben gut. Sucht man sein Telefon in der Tasche, zieht man einfach am Kopfhörer. Eine Einheit. Ein Verbund. Das Kabel als Leine sozusagen.

Bei Verlust einfach so neue kaufen oder gar noch zu Hause rumliegen haben? Fehlanzeige. AirPods kosten 179 Franken. Auf Verlust folgt Frust. Und kein Freund hat einen – oder jetzt zwei – einfach so übrig.

Zu guter Letzt – sie sehen einfach nur lächerlich aus. Aufgrund des Callcenter-Looks wird man ständig denken, wir seien am Telefonieren, und unsere Omas werden sie mit ihren Hörgeräten verwechseln. Ein Digitalnerd witzelt: «Ja, sie sind hässlich. Aber einmal im Ohr, sieht man sie ja nicht mehr.» Aber die anderen. Und Kopfhörer – ja, liebes Apple-Team, es gibt nicht nur eure schlichten weissen Dinger – sind auch Accessoires. Mal gross, mal bunt, meist mit Style. Aber nein, die Apple-Jünger sollen wieder alle gleich rumrennen. Gleichschaltung als Fortschritt.

Und was tun wir eigentlich mit all den Millionen Kopfhörern, die plötzlich unbrauchbar, ja nutzlos werden? Wegschmeissen! Wahnsinniger Fortschritt.
Für iPhone-Nutzer, die weiterhin Kopfhörer mit klassischen Klinken-Steckern wollen, soll es einen Adapter geben. Adapter? Die Alarmglocken erklingen: Verlieren? Laden? Hilfe!