Überdies

Braten, viel Wein – und null Herzinfarkt

Französische Senioren sollen auf ärztliche Anweisung ins Fitnesstraining. (Symbolbild)

Französische Senioren sollen auf ärztliche Anweisung ins Fitnesstraining. (Symbolbild)

Rentner sollen rennen. So lautet in Kurzform ein Dekret der französischen Regierung, das die Ärzte der Grande Nation ab Anfang dieses Monats ermuntert, Langzeitpatienten eine sportliche Aktivität zu verschreiben. Betroffen sind potenziell zehn Millionen Citoyens mit Gebrechen wie Diabetes, Krebs, Bluthochdruck oder Depression. Der Erlass ist eine Revolution im Land des Savoir-Vivre, wo eingebildete und andere Kranke dem Doktor gerne so lange in den Ohren liegen, bis er ihnen eine komfortable Thalasso-Woche (Wellnesskur) am Atlantik verschreibt.

Jetzt sollen die französischen Senioren auf ärztliche Anweisung ins Fitnesstraining oder zum Nordic Walking antraben. Schon bei diesen – englischen – Ausdrücken sträubt sich den Franzosen das Nackenhaar. Sie kontern mit einem ebenso wissenschaftlichen Gegenargument, dem «french paradox»: Das sehr französische Paradoxon beruht auf der statistisch belegten Tatsache, dass man sich im gastronomischen Südwesten Frankreichs am liebsten mit fetten Speisen wie Foie gras oder Confit de Canard verköstigt und wacker Wein nachschenkt – aber zugleich bedeutend seltener einen Herzinfarkt hat.

Für Gesprächsstoff in den französischen Sprechzimmern ist gesorgt, Monsieur le docteur!

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