Brexit

Blairs unbequeme Wortmeldung

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair mischt im Brexit-Kampf mit. (Archivbild)

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair mischt im Brexit-Kampf mit. (Archivbild)

Wenn sich Politpensionär Tony Blair wieder einmal zu Wort meldet, fallen die Reaktionen in Grossbritannien vorhersehbar aus. Auf konservativer Seite, wo man die drei Wahlsiege des einstigen Publikumslieblings in schlimmer Erinnerung hat, schlägt dem einstigen Labour-Premier Zorn, Verachtung, ja teilweise Hass entgegen. Die eigenen Leute schweigen betreten: Zu sehr hat sich der 64-Jährige vom Labour-Mainstream entfernt, zu diskreditiert ist er in den Augen der Öffentlichkeit durch seine Schwindeleien im Vorfeld des Irak-Kriegs.

Dabei hat der langjährige Regierungschef recht mit seiner jüngsten Wortmeldung zu Europa. 2018 bringt die Entscheidung darüber, wie Grossbritanniens zukünftiges Verhältnis zur EU aussehen wird. Die bisherige Brüsseler Verhandlungslinie sowie die kompromisslose Haltung wichtiger Partner wie Deutschland und Frankreich deuten darauf hin, dass sich viele illusionäre Vorstellungen der Brexit-Trompeter nicht werden verwirklichen lassen. Wenn sich herausstellt, dass der EU-Austritt der Wirtschaft des Landes katastrophalen Schaden zufügen würde, weil der viel beschworene Sonderstatus nicht zu kriegen ist – sollte das Wahlvolk dann nicht die Gelegenheit erhalten, die Entscheidung vom Juni 2016 nochmals zu überdenken, fragt Blair.

Gewiss ist der einstige Sonnyboy der britischen Politik politisch beschädigt. Seiner Partei unter Oppositionsführer Jeremy Corbyn würde es dennoch gut anstehen, sich Blairs Gedanke zu eigen zu machen. Dann bekämen die Briten in Sachen Europa endlich eine echte Alternative zur schwachen Regierung Theresa Mays.

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