Apropos

Bitte keine Lesebefehle mehr

Der Kampf um Aufmerksamkeit ist hart auf Facebook. (Archiv)

Der Kampf um Aufmerksamkeit ist hart auf Facebook. (Archiv)

Was hat Facebook mit dem Militär gemeinsam? In beiden Vereinigungen herrscht eine Befehlstonalität vor. «Lesebefehl!», schreiben meine Facebook-Freunde über Artikel, die sie gepostet haben. Oder schlicht: «Lesen!»

Nun, ich lese gerne. Ich bin dankbar für Lesehinweise. Aber bitte nicht im Befehlston. Das bewirkt genau das Gegenteil: Leseverweigerung! Schon klar, der Kampf um Aufmerksamkeit ist hart. Um gehört und gelesen zu werden, muss man auffallen. Doch mit den immer gleichen Lesebefehlen gelingt das längst nicht mehr. Stattdessen geht man im Ozean der Wichtigtuer unter. Am schlimmsten sind jene Journalisten, die ihren Freunden befehlen, die eigenen Artikel zu lesen: «Ein Must-Read! Aber ich bin voreingenommen.»

Liebe Facebook-Freunde, gebt euch bitte beim Anteasern der Artikel ein bisschen mehr Mühe. Erklärt mir in zwei Sätzen, warum ich das lesen soll, warum das spannend ist, warum mich das bereichert. Zumindest die Kollegen unter meinen Facebook-Freunden sollten das verstehen. In den Zeitungen und auf den Online-Portalen schreibt ihr ja auch nicht über jeden Artikel bloss «Lesebefehl!», sondern einen gewieften Titel und einen klugen Lead. Bitte handhabt das gleich auf Facebook. Das ist nun kein Befehl, sondern ein kluger Rat, wenn ihr weiterhin gelesen werden wollt.

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