Polemik

Bitte ja keinen Lesezwang im Kino

Lory Roebuck: «Jack Nicholson kommt für den «Toni Erdmann»-Remake sogar extra nach sieben Jahren Absenz aus der Rente zurück. Warum dieser grosse Aufwand?» (Archivbild)

Lory Roebuck: «Jack Nicholson kommt für den «Toni Erdmann»-Remake sogar extra nach sieben Jahren Absenz aus der Rente zurück. Warum dieser grosse Aufwand?» (Archivbild)

Muss das sein? Meine Kollegin von einer deutschen Tageszeitung ist ganz entsetzt. Ausgerechnet
«Toni Erdmann», der in ihren (und meinen) Augen beste deutsche Film seit Jahren, soll jetzt ein Hollywood-Remake kriegen. Es musste ja so kommen, sagt sie mir an der Berlinale, denn der Film – eine schrullige Vater-Tochter-Komödie – habe ja bereits so viele Preise gewonnen, da musste Hollywood früher oder später hellhörig werden.

Was sie wirklich ärgert: Die Amerikaner hätten doch einfach das deutsche Original in ihren Kinos zeigen können. Doch lieber drehen sie alles noch mal neu, auf Englisch, mit amerikanischen Darstellern. Jack Nicholson kommt dafür sogar extra nach sieben Jahren Absenz aus der Rente zurück. Warum dieser grosse Aufwand? Der Fall sei klar, sagt meine deutsche Kollegin, bevor sie in die nächste Vorstellung huscht: Die Amerikaner seien sich einfach zu gut, um im Kino Untertitel zu lesen.

Moment, denke ich mir. Sind die meisten eurer Kinogänger in Deutschland nicht genauso lesefaul? Hollywoodfilme laufen bei euch ja fast ausschliesslich auf Deutsch.

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