Schengen-Abkommen

Biometrische Identitätskarte: Die Fingerabdrücke und ihr Preis

Sven Altermatt: «Wenn der Staat über die Fingerabdrücke aller Bürger verfügt, stellen sich Fragen rechtsstaatlicher Natur.» (Archivbild)

Sven Altermatt: «Wenn der Staat über die Fingerabdrücke aller Bürger verfügt, stellen sich Fragen rechtsstaatlicher Natur.» (Archivbild)

Es ist ein neues Zeitalter, das in der Europäischen Union anbricht: das Zeitalter der totalen Biometrie. Ab dem Jahr 2021 muss die Identitätskarte von EU-Bürgern nicht nur ein Foto enthalten, sondern auch zwei Fingerabdrücke. Das gehört zu den neuen Standards, auf die sich die Brüsseler Gremien geeinigt haben.

Die Identitätskarte ist in den meisten EU-Ländern Pflicht. Jede und jeder muss künftig also seine Fingerabdrücke speichern lassen. Entkommen? Zwecklos! Auch die Schweiz könnte aufgrund internationaler Bestimmungen – allen voran das Schengen-Abkommen – dereinst gezwungen werden, die biometrische Identitätskarte einzuführen.

Die neuen Vorschriften sollen die Ausweise fälschungssicher machen. Ist ja eine wunderbare Sache, kann man nun argumentieren, noch so ein technischer Fortschritt. Schliesslich entsperren grosse Teile der Bevölkerung ihre Smartphones längst mit Fingerabdruck oder per Gesichtserkennung.

Bei der Identitätskarte jedoch geht es um mehr: Wenn der Staat über die Fingerabdrücke aller Bürger verfügt, stellen sich Fragen rechtsstaatlicher Natur. Zwar sollen die abgenommenen Fingerabdrücke nicht in einer zentralen Datenbank abgelegt werden; zwar sollen sie nur für Abgleiche verwendet werden dürfen.

Doch allein das Wissen darum, dass sensible Daten auf Vorrat gespeichert werden, entfaltet seine Wirkung: Muss jeder seine Fingerabdrücke hinterlassen, ist jeder auch irgendwie verdächtig. Unbescholtene, rechtschaffene Bürger können den Staat immer schlechter auf Distanz halten. Der Preis der vermeintlichen Sicherheit ist weniger Privatsphäre.

Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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