Kommentar

Biber eignet sich nicht für Symbolpolitik

Naturschützer streiten sich um die Entfernung der Biberdämme.

Naturschützer streiten sich um die Entfernung der Biberdämme.

Bauern fordern die Entfernung von Biberdämmen oder den Abschuss der Tiere – Naturschützer wehren sich. Der Kommentar

Für den Bauernverband Aargau ist klar: «Problembiber», also Tiere, die grössere Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen verursachen, müssen umgesiedelt oder abgeschossen werden. Für Pro Natura ist ebenso klar: Der Biber ist eine geschützte Tierart, die Bauern müssen sich mit ihm arrangieren, ein Abschuss kommt nicht infrage. Die beiden Positionen scheinen unvereinbar, nun muss der Regierungsrat über einen Biberkonflikt im Reusstal entscheiden.

Dabei geht es nicht um einen Abschuss, sondern darum, ob Biberdämme aus einem Bach entfernt werden dürfen. Dass sich die Stiftung Reusstal als lokale Umweltschutzorganisation nicht dagegen wehrt, könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Massnahme verhältnismässig ist. Dennoch muss der Regierungsrat sorgfältig abwägen: Setzt der Biber tatsächlich hektarenweise Ackerland unter Wasser und verursacht Ausfälle in Millionenhöhe? Oder sind die Schäden viel weniger hoch, als die Bauern behaupten, wie dies Pro Natura vermutet?

Dass einige Landwirte offenbar Selbstjustiz übten und Biberdämme ohne Bewilligung beseitigten, ist nicht akzeptabel. Doch auch der Fundamentalismus der Naturschützer bringt nichts. Gefragt sind Kompromisse: Entschädigungen für Bauern, wenn Biber ihr Gemüse oder ihren Mais fressen, oder die Umwandlung von Landstücken, die für Biber attraktiv sind, in Schutzgebiete. Auch die Entfernung von Dämmen, wo grosse Schäden drohen oder Infrastruktur gefährdet ist, ist eine Option. So wurde in Kleindöttingen der Damm eines Bibers entfernt, der eine Hunderennbahn unter Wasser setzte – das Tier baute ihn nicht wieder auf.

fabian.haegler@azmedien.ch

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