Kolumne

Beziehungen: 6 Liebesdinge, die ich mir zum Geburtstag wünsche

«Keiner spiegelt uns besser, was wir verdrängen und an uns selbst nicht sehen, als unsere Partnerinnen und Partner. Darum: Mehr Disharmonie, bitte!»

«Keiner spiegelt uns besser, was wir verdrängen und an uns selbst nicht sehen, als unsere Partnerinnen und Partner. Darum: Mehr Disharmonie, bitte!»

In ihrer Kolumne «Liebes Leben, wir müssen reden» schreibt Social-Media-Redaktorin Maria Brehmer über alles, was das Leben schöner macht – und manchmal auch schwieriger. Heute: Was ich mir von einer guten Fee erhoffe. Oder: Woran ich am besten selbst arbeite.

Heute ist mein Geburtstag und zur Feier des Tages erlaube ich mir ein paar Wünsche, die, so glaube ich, tatsächlich irgendwann in Erfüllung gehen könnten. Vielleicht ja, weil sich eine kleine Fee auf meine Schulter setzt und mit ihrem Sternenstaub-Zauberstab all meine Sehnsüchte Realität werden lässt. Oder aber, weil ich mir weiterhin fest vornehme, meine Beziehung als wundervolles Projekt zu betrachten, für das es immer, aber wirklich immer etwas zu tun gibt.

Wunsch 1: mehr Liebe. Wann immer ich Groll, Missmut und Unzufriedenheit durch die guten Gefühle von Wohlwollen, Toleranz und Liebe ersetze, tue ich meiner Beziehung einen riesigen Gefallen. Ich kenne das von Situationen, in denen mir das ausnahmsweise mal gelang: Wenn ich mit Schmollen aufhöre und mich nicht mehr fühle, als käme ich wieder einmal zu kurz, trage ich viel bei zu einem konstruktiven, kreativen Austausch zwischen meinem Partner und mir. Liebe kleine Fee, das wäre jetzt dein Einsatz!

Wunsch 2: mehr Disharmonie. Ja, wirklich. Weil meine Harmonie-Sucht bewirkt, dass ich Konflikte vermeide, die Wege zu mehr Selbsterkenntnis und Wachstum sein könnten. Keiner spiegelt uns besser, was wir verdrängen und an uns selbst nicht sehen, als unsere Partnerinnen und Partner. Wenn das, was dann an die Oberfläche gelangt, nur nicht so schwer zu ertragen wäre …

Wunsch 3: mehr Distanz. Bedeutet: weniger Verstrickung, weniger Festhalten-Wollen, weniger Kontrolle. Wir sind in unseren Beziehungs-Alltagsritualen nicht nur geborgen, sondern immer auch gefangen. Es ist ein Kraftakt, Distanz zu schaffen, wenn es doch gerade so gemütlich ist in der gemeinsamen Comfort-Zone, eingekuschelt vor dem TV, das Lieblingsessen mampfend ... Aus Beziehungs-Ratgebern weiss ich: Je mehr wir unabhängig voneinander Erfahrungen machen, umso selbstbewusster werden wir und umso bewusster entscheiden wir uns wieder für die Beziehung.

Wunsch 4: mehr Nehmen. So oft habe ich das Gefühl, etwas zurückgeben zu müssen, wenn ich etwas bekommen habe. Doch die Liebe ist kein Handelsgeschäft, und besonders Frauen tun sich schwer damit, einfach mal zu nehmen. Ich auch.

Wunsch 5: weniger Angst. Vor Verlust, vor persönlichen Unzulänglichkeiten, vor Scham, vor Distanz, vor Freiheit, vor Sichfallenlassen.

Wunsch 6: mehr Spass! Und weil Grübeln und Verspanntheit die Feinde des Humors sind: Weniger Grübeln und mehr Lockerheit. Ich weiss von mir – und es wird Ihnen sicher auch so gehen – dass je weniger verbissen ich die Dinge angehe, desto mehr Spass habe daran.

Im Übrigen auch an Projekten, die ich verdammt ernst nehme.

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