Sie lief am Empfang vorbei und war verärgert. «Jetzt mues i scho weder so e blöde Kurs mache», sagte sie wütend. Sie könne ihre Arbeit wirklich perfekt. Sie knallte die Hand auf den Türöffner und verschwand im Treppenhaus. Empfangsdamen werden selten an Weiterbildungskurse geschickt. Die Arbeit ist nicht so kompliziert, dass man sie an teuren Lehrgängen à jour halten muss.

Wir habens einfach, uns lehrt das Leben. Es gibt viele Situationen, wo wir abschauen können, wie die eigene Arbeit optimiert werden kann. Man stellt sich am Bahnhofschalter in die Reihe, blättert im Tourismusbüro in den Prospekten oder setzt sich auf das kleine Sofa neben der Hotelrezeption. Dabei beobachtet man die Angestellten und lauscht den Dialogen. Das sind Weiterbildungskurse für unsereiner.

In der Schlange zu stehen, kann ein Vergnügen sein. Mit Argusaugen und Eselsohren nimmt die Empfangsdame die Wartenden, die Stimmung und das Personal hinter dem Tresen wahr. Dabei schnappt man viel Weiterbildung auf. Beim Beobachten stellt man Unterschiede zum eigenen Tun fest. Negatives wird wahrgenommen, positive Dinge werden abgeschaut und diese dann versucht, ins eigene Leben einzubauen.

Schauen, wie es andere machen, ist wichtig. Jeder hat Vorbilder, von denen man Gutes abschaut. Der Chefkoch von der Spitzenköchin, die Praktikantin von der Marketingleiterin, die Tochter vom Papi. Warum nicht auch die Empfangsdame?

Alle sollten öfter jenen über die Schulter schauen, die Ähnliches tun. Es gibt nichts Schöneres, als frischen Wind in die eigene Routine zu bringen. Betriebsblind ist, wer meint, alles laufe bereits am obersten Limit. Und wäre die Empfangsdame etwas schlagfertiger, hätte sie zur wütenden Angestellten gesagt: «Besser geht immer!»