Digitale Zeiten

Besser Google als den Chef fragen

Musste sich über drei Stunden den Fragen des Repräsentantenhaus stellen: Google-CEO Sundar Pichai. (Archivbild)

Musste sich über drei Stunden den Fragen des Repräsentantenhaus stellen: Google-CEO Sundar Pichai. (Archivbild)

Nachdem schon die Chefs von Facebook und Twitter vor dem US-Kongress Fragen zu Fake News, Datensicherheit und ihren Geschäftsmodellen beantworten mussten, war diese Woche Google-CEO Sundar Pichai an der Reihe. Über drei Stunden stellte er sich den Fragen der Herren und Damen im Repräsentantenhaus – und gab sich sichtlich Mühe, so ausweichend wie möglich zu antworten.

Dabei waren die Fragen griffig formuliert: Ein republikanischer Abgeordneter wollte wissen, warum bei einer Bildsuche nach «Idiot» Donald Trump in der Trefferliste auftauche. Pichai antwortete mit einer generellen Aussage zur Funktionsweise des Suchalgorithmus.

Ein anderer Politiker fragte, ob Google ihn orten könne, wenn er sich mit seinem iPhone durch den Saal bewege. Pichai meint, dass es einen Google-Service geben könnte, dem er zugestimmt habe, der das könne. Die Antwort befriedigte den Abgeordneten nicht: «Sie verdienen 100 Millionen Dollar im Jahr, Sie sollten imstande sein, diese Frage besser zu beantworten.»

In der Tat, hätten die Politiker nicht Pichai persönlich befragt, sondern nach den Antworten gegoogelt, hätten sie rasch ein besseres Verständnis der Zusammenhänge gehabt. Oder anders gedreht: Wenn die Google-Suchmaschine so schlechte Informationen liefern würde wie Pichai, wäre der Konzern nie zu einem Milliarden-Unternehmen geworden. Vielleicht sollten die Abgeordneten das nächste Mal statt des CEOs die KI-Software Google Assistant einladen.

Für Pichai selber und seine Investoren war der Auftritt hingegen ein Erfolg. Seither hat der Aktienkurs um vier Prozent zugelegt. Das bedeutet für Pichai eine Lohnerhöhung von acht Millionen. Schliesslich hat er 2017 als Salär ein Aktienpaket im Wert von 199 Millionen Dollar erhalten. Und nicht 100 Millionen, wie der Abgeordnete meinte.

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