Gender-Sternchen

Bei der Sprache reden alle mit

Gender-Debatten werden in der Regel hitzig geführt.

Gender-Debatten werden in der Regel hitzig geführt.

Die meisten Menschen bestehen darauf, so zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Und schon gar nicht wollen sie sich von der Politik vorschreiben lassen, wie sie zu reden oder zu schreiben haben. Die Regierung der deutschen Stadt Hannover erfuhr dies, als sie ihrem Personal geschlechtsneutrale Worte wie Kolleg*innen verordnete. «Gender-Gaga» hiess es in der Bild-Zeitung und die Qualitätspresse kam ins Hyperfeuilletonieren. Wenn es um Sprache geht, wird die Diskussion schnell laut. Bei diesem Thema können alle mitreden. Dabei muss es gar nicht um geschlechtsneutrale Begriffe gehen. Das zeigt das Beispiel der Rechtschreibreform, wo jedes Komma einen Streit auslöste.

In Hannover ging ob all des Lärms unter, dass die Stadtregierung neben gewöhnungsbedürftigen Gender-Sternchen auch mit originellen Wortschöpfungen aufwartete. Das «Redepult» zum Beispiel ist nicht nur politisch korrekt, weil geschlechtsneutral, sondern auch eleganter weil kürzer als das allzu männliche Rednerpult.

In der Schweiz wird auf den Volksmund mehr Rücksicht genommen als bei unseren Nachbarn. Das liegt zum einen daran, dass die Frage, ob ein drittes Geschlecht offiziell anerkannt werden soll, noch nicht geklärt ist. Das Dossier liegt beim Bundesrat. Zum anderen scheut man die Provokation, die mit ungewohnten Zeichen und Begriffen einhergeht.

Und noch etwas lässt hiesige Gleichstellungskämpferinnen zögern. Verschwindet das Geschlecht aus der Sprache, stellt dies auch die Frauenförderung vor ein Problem. Denn es ist gar noch nicht so lange her, da kämpften die Frauen dafür, dass Rednerinnen nicht nur mitgemeint, sondern sprachlich sichtbar werden. Beim Redepult verschwinden sie aber wieder.

pascal.ritter@chmedia.ch

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