Der 15. Januar 2015 ist für jeden Schweizer Hotelier ein Tag des Zorns und der Trauer. Damals hob die Nationalbank die Kursuntergrenze zum Euro auf und schickte die Beherbergungsbranche ins Jammertal. Die schlagartige Aufwertung des Frankens machte dem Tourismus einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Gäste aus dem In- und Ausland blieben aus. Kalte Betten, Ertragseinbrüche, Hotelschliessungen waren die bittere Folge.

Doch die Branche rappelt sich langsam wieder auf. Am Donnerstag steifte der Eurofrankenkurs erstmals die wichtige Grenze von 1.15. Seit Anfang Jahr sind Ferien in der Schweiz somit um fast 10 Prozent billiger geworden. Das bleibt nicht ohne Wirkung. Die Gäste kommen wieder in die Schweiz – und Schweizer bleiben hier, weil das Ausland umgekehrt wieder teurer wird. Der oberste Schweizer Hotelier rechnet mit einem schönen Wachstum für diesen Sommer.

Der Nationalbank müssen die Hoteliers nicht danken. Diese hat herzlich geringen Anteil daran, dass der Franken wieder schwächer wird. Vielmehr sind es technische Effekte (auslaufende Absicherungskontrakte) und die allgemeine Erholung des Eurolands, welche dem Schweizer Tourismus in die Hände spielen.

Wenn die Hotelbranche nun wieder optimistischer in die Zukunft blickt, dann nicht wegen, sondern trotz der Nationalbank und ihrer Geldpolitik. Die Schweizer Hoteliers haben das gemacht, was auch andere Branchen nach dem Frankenschock gemacht haben: Sie haben ein beinhartes Fitnessprogramm absolviert. Wer überleben wollte, musste sich in die Riemen legen, er musste investieren, in neue Anlagen und Dienstleistungen. Viele, die das nicht konnten, blieben auf der Strecke. Aufgefressen vom Frankenmonster.