Die Bürgerlich-Demokratische Partei BDP sieht sich selbst gerne als progressive Kraft in der Mitte. Das hat sie vor allem ihrem Führungspersonal im Bundeshaus zu verdanken. Der Blick in den Kanton Bern zeigte in den vergangenen Tagen jedoch ein ganz anderes Bild. Dort hatten BDP-Politiker den Widerstand eines kleinen Bauerndorfs im Seeland gegen einen Transitplatz für Fahrende auf die Politbühne gehievt.

Ausgerechnet die Partei, die sich auf der nationalen Bühne gerne mit Anliegen zum Schutz von Minderheiten in Szene setzt, politisiert im Kanton Bern gegen eine verfassungsmässig geschützte Minderheit. Eine solche Politik würde man eher vonseiten der SVP vermuten, wenn man etwa an den Widerstand gegen Asylunterkünfte denkt.

Vielleicht findet die noch junge Partei aber auch einfach nur zurück in den Schoss ihrer Mutter. Zur Erinnerung: Die BDP wurde gegründet, um der 2007 in den Bundesrat gewählten Bündner SVP-Regierungsrätin und von ihrer Partei verstossenen Eveline Widmer-Schlumpf eine neue politische Heimat zu bieten.

Vom Rechtskurs des Zürcher SVP-Flügels sowieso schon lange angewidert, gründeten Berner und Bündner SVP-Mitglieder 2008 ihre eigene Partei. Wenn die BDP nun wie gestern in Bern die verhasste SVP auch noch auf der rechten Seite überholt, dann macht sie sich unglaubwürdig.

Das ist gefährlich für die Kleinpartei. Denn eine BDP Schweiz ist nicht denkbar ohne eine BDP Bern. Die Hälfte der Bundeshausfraktion kommt schliesslich aus dem Kanton Bern.