So klingen normalerweise die Abschiedsworte eines verschmähten Liebhabers: «Die Trump-Präsidentschaft, für die wir gekämpft haben und die wir errungen haben, ist zu Ende», sagte Steve Bannon dem konservativen Meinungsmagazin «Weekly Standard», kaum hatte sich in Washington die Nachricht verbreitet, dass der Chefstratege von Präsident Donald Trump aus dem Regierungsdienst ausgeschieden war. Doch wie so häufig, wenn sich die Debatte um den Präsidenten und sein Alter Ego dreht, seien die Aussagen Bannons falsch interpretiert worden, behauptet sein Umfeld. Der nationalistisch-populistische Chefstratege habe sich nämlich nicht im Streit von Trump getrennt. Vielmehr habe Bannon (schon vor einiger Zeit) eingesehen, dass sein Einfluss im Weissen Haus beschränkt sei. «Er ist ein Visionär», gab Alex Marlow dem Branchenblatt «Hollywood Reporter» zu Protokoll, und Bannons Versuche, die politische Landschaft in den USA umzupflügen, seien auf zu grossen Widerstand gestossen.

Marlow ist Chefredaktor der Online-Publikation «Breitbart News» und damit alter und neuer Untergebener von Bannon. Denn der Chefstratege im Ruhestand war bereits am Freitag wieder auf der Redaktion von «Breitbart» präsent, die er als Herausgeber in den Jahren 2012 bis 2016 als Speerspitze der ausserparlamentarischen amerikanischen Rechten geformt hatte. Während einer Telefonkonferenz, so berichtete Marlow, habe Bannon erste Akzente gesetzt und Themen vorgeschlagen, über die «Breitbart» noch mehr berichten solle. So verlangte er angeblich zusätzliche Artikel über eine Nachwahl im (erzkonservativen) Bundesstaat Alabama, in der sich die Republikanische Partei zwischen dem vergleichsweise gemässigten Senator Luther Strange und dem extremistischen Ex-Richter Roy Moore entscheiden muss.

Es geht nicht nur um die Berichterstattung über Nachwahlen

Das mag harmlos klingen. Ein genauer Blick auf das Nachrichtenportal verdeutlicht aber, dass sich Bannon nicht mit Nachwahlen zufrieden geben wird. Vielmehr befindet er sich nach wie vor auf dem Kriegspfad und will das Washingtoner Establishment (sprich: die Führungsriege seiner Partei) aufmischen. So setzte «Breitbart» übers Wochenende die hässliche Kampagne gegen H. R. McMaster fort, den Sicherheitsberater von Trump. Der hochdekorierte General soll dafür verantwortlich sein, dass sich Trump am Sonntag recht geschmacklos über eine Kollision eines amerikanischen Kriegsschiffes in der Nähe von Singapur, bei der wohl mehrere Seeleute getötet worden waren, geäussert habe, lautete eine der Schlagzeilen. Autor des Beitrags war Matthew Boyle, der für die Publikation aus dem Weissen Haus berichtet und von Bannon in der Vergangenheit mit saftigen Anekdoten bedient worden war.

Solche Artikel verfolgen vor allem ein Ziel: Sie sollen im Weissen Haus Zwietracht säen, zwischen dem Präsidenten und seinen weltoffenen Untergebenen und zwischen den verschiedenen Fraktionen, die um Einfluss kämpfen. Diese Strategie könnte – wenigstens aus der Sicht Bannons – Erfolg haben. Schliesslich schenkt Trump «Breitbart» grosse Beachtung. Ausserdem ist er ständig auf der Suche nach Sündenböcken, wenn er in den Hauptstadtmedien für falsche, peinliche oder hetzerische Aussagen angegriffen wird.

Früher oder später droht die Spaltung der Republikaner

Politisch allerdings droht, früher oder später, die Spaltung der Republikanischen Partei, in eine national-populistische und eine wirtschaftsfreundliche Bewegung. Bannon mag der Meinung sein, dass «sein» Flügel aus diesem Ringen als Sieger hervorgehen würde – insbesondere dann, wenn sich Trump in drei Jahren um eine weitere Amtszeit bewirbt. Ob der Kurs, den der Präsident in den vergangenen sieben Monaten mithilfe seines Chefstrategen steuerte, aber mehrheitsfähig ist, darüber lässt sich streiten. Zwar verfügt der Präsident in der Tat über eine grosse Schar von Anhängern, die sich nicht von Fehltritten und Misserfolgen beirren lässt. Aber diese Basis macht höchstens einen Drittel der Wählerschaft aus. Das ist zu viel, um einen moderaten, kompromissbereiten Republikaner zu blockieren, und zu wenig, um einen Demokraten in Schach zu halten.

Gut möglich, dass der Ex-Chefstratege aus dem Krieg, den er und «Breitbart» dem Establishment seiner Partei erklärt haben, als Sieger hervorgehen wird – und Trump dafür den Preis zahlt. Vielleicht spielt dies in den Augen von Steve Bannon aber keine Rolle. Schliesslich ist er ein Visionär.