Ich war im Inland in den Ferien. Wie mehrheitlich in den letzten 30 Jahren. Ich dachte, ich müsste das erwähnen. Weil doch die Mehrheit der Aargauer Politikerinnen und Politiker, die dieser Zeitung Feriengrüsse geschickt haben, in der Nähe oder sogar zu Hause geblieben sind (die, welche ferne Kontinente bereisten, haben es vermutlich nicht gemeldet).

Nein, ich bin nicht mit dem Zug verreist, sondern mit dem Auto. Dafür habe ich keine Erst-August-Rakete in die Luft gejagt. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich will das neue Klima-Bewusstsein nicht veräppeln. Ich unterstütze es.

Ich meine bloss: Eine CO2-Nullbilanz schafft keiner von heute auf morgen. Total-Radikal-Subito-Forderungen schaden dem so wichtigen Anliegen der Schadstoff-Reduktion nur. Nun sind die Ferien bald zu Ende und der Aargauer Super-Wahlherbst beginnt. Was wird er bringen? Stand heute, gibt es erst drei (Fast-)Gewissheiten:

Erstens: Den vakanten Regierungs-Sitz erobert eine Frau. Denn die Einsicht, die Rückkehr zu einer reinen Männer-Regierung entspreche einer Rückkehr ins letzte Jahrtausend, ist im Kanton weit verbreitet. Man kann nicht 51 Prozent der Bevölkerung von der Regierung ausschliessen.

Zweitens: Das Aargauer Ständerats-Duo wird erst in einem zweiten Wahlgang komplettiert. Eventuell schafft es der bekannte FDP-Nationalrat Thierry Burkart (er erscheint bei Google noch vor Thierry Mugler und Thierry Carrel) im ersten Wahlgang. Doch alle anderen müssen (wenn sie wollen) im November nochmals antreten, zu gross ist die Stimmen-Zersplitterung. Was dann passiert, ist völlig offen.

Drittens: Man mache sich keine Illusionen über das Ausmass der SVP-Verluste im Aargau. Zwar hat sich die stärkste Partei gerade im Rüebliland in den letzten Jahren einige Fauxpas geleistet; der grösste war die Portierung einer völlig ungeeigneten Person für die Regierung.

Aber es ist ein wenig wie bei Trump und seinen Republikanern: Es kann passieren, was will, ein eingefleischter SVPler bleibt ein eingefleischter SVPler. Er weiss, die Skandälchen wurden von neidischen Gegnern hochgespielt. Verluste wird die Partei wohl bei eher locker attachierten Sympathisanten und Wechselwählern erleiden. Aber ihr Kern wird gross und stark bleiben. Das ist eben Aargau.