Was in den kommenden Wochen an Speichel in Russlands Fussballrasen versickern wird, füllte mehrere Badewannen. Fussballer spucken. Manche gefühlt häufiger, als sie den Ball berühren. Sie spitzen die Lippen. Zack! Und dann lässig weiterjoggen. Wenn sie in dieser Regelmässigkeit auf Tore schiessen würden. Das wäre ein Spiel! Aber so ... Spucken ist eine Unart. Es ist eklig, gehört sich nicht. Nicht für mich. Nicht für Sie. Nicht für Fussballer. 

Freitagabend, Landesmuseum Zürich. Auf der Bühne steht eine alte Frau. 71 Jahre alt, lange graue Haare. Patti Smith. Punk-Ikone, Schamanin des Rock ’n’ Roll. Sie kannte sie alle. Jimmy Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison. Patti Smith hat sie alle überlebt. Steht auf der Bühne. Spricht, singt, tanzt, breitet die Arme aus, streckt die Faust in die Luft. Der Regen prasselt auf die Pelerinen der Konzertbesucher. 

Und dann passiert es. Patti Smith spuckt. Die alte Frau mit den grauen Haaren spuckt. Mehrmals. Dreht den Kopf zur Seite. Zack! Auf die Bühne. Sie hat wohl schon auf Bühnen überall auf der Welt gespuckt. So what!, könnte man meinen. Doch während die «Spöiz-Fontänen» im Licht der Scheinwerfer auf die Bühne pflatschen, verändern sich die Gesichter der Zuschauer unter den Kapuzen. «Wäh!» Wenn nicht einmal mehr Patti Smith spucken darf, hat es sich definitiv auch für Fussballer auf dem Rasen ausgespuckt.